Möglichkeiten der Leistungsdiagnostik im Amateurbereich

Leistungsdiagnostik – Was im professionellen Fußball bereits allgegenwärtig ist, könnte vielleicht auch Fußballern im Amateurbereich bei ihrer Entwicklung behilflich sein. Es gibt viele Möglichkeiten im Fußball eine Leistungsdiagnostik durchzuführen und ihre Ergebnisse für das spätere Training zu nutzen. Doch wie sinnvoll ist eine Leistungsdiagnostik im Amateurbereich, welche Möglichkeiten gibt es überhaupt und wie sollte man die Ergebnisse dieser Kontrollen im späteren Training umsetzen?

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Ist es sinnvoll, im Amateurbereich eine Leistungsdiagnostik durchzuführen?

Leistungsdiagnosen sind vor allem im professionellen Fußball ein gängiges Mittel, um die Leistung unterschiedlicher Spieler miteinander zu vergleichen und Aussagen über die Entwicklung eines Spielers zu treffen. Im Amateurbereich herrscht ein deutlich geringerer Leistungsdruck und entsprechend stellt sich zu Recht die Frage, ob sich eine umfassende Leistungsdiagnose überhaupt lohnt.
Entscheidend ist hierbei in jedem Fall die Herangehensweise des Trainers sowie die der Spieler. Richtig durchgeführt kann eine Leistungsdiagnostik wertvolle Informationen bezüglich des aktuellen Leistungsstandes ermitteln und damit Empfehlungen für das Training aussprechen. Unter keinen Umständen dürfen die Ergebnisse der Leistungsdiagnostik jedoch zu ernst genommen werden. Ein Leistungsdefizit in einem bestimmten Bereich muss vor allem im Amateurfußball nicht zwingend angegangen werden, denn nicht jede Leistungsdiagnostik ist für jede Position gleich aussagekräftig. So ist es für den Torwart deutlich nützlicher, eine hohe Sprungkraft zu besitzen als für Verteidigungsspieler.

Teil des Trainings?

Außerdem sollte in jedem Fall beachtet werden, dass eine Leistungsdiagnostik keinesfalls zum Training gehört. Es sind lediglich Tests, die Aufschluss über die Leistungsfähigkeit der Spieler geben, diese jedoch nicht erhöhen. Für das Training eines beruflich stark eingespannten Teams, das lediglich einmal pro Woche trainieren kann, ist es nicht sinnvoll, jeden Monat oder sogar jede Woche eine Leistungsdiagnostik durchzuführen, da der Trainingserfolg stark darunter leiden kann.

Warum machte man eine Leistungsdiagnostik?

Die Leistungsdiagnostik wurde vor allem von Jürgen Klinsmann im deutschen Profifußball vorangetrieben und befürwortet. Durch sie war es erstmals möglich, messbare Daten über die Fußballer zu erheben und diese miteinander zu vergleichen. Da der Fußball aber ein sehr komplexer Sport ist, existieren zahlreiche Qualifikationen, die nicht durch eine Leistungsdiagnostik verglichen werden können.
Beispielsweise sind Technik, Teamgeist und Passspiel nicht messbar und können lediglich von der subjektiven Betrachtung eines erfahrenen Trainers beurteilt werden. Eine Erhebung der Anzahl, wie oft ein Spieler den Ball in der Luft halten kann, hat grundsätzlich keine Aussagekraft über das technische Können des Spielers.

Andere Werte können jedoch sehr wohl gemessen und verglichen werden. So trifft die Erhebung der Ausdauer und der Höchstgeschwindigkeit beim Sprint sichere Aussagen über die fußballerische Leistungsfähigkeit des jeweiligen Spielers. Trotz des komplexen Aufbaus ist Fußball noch immer eine Sportart und als solche kann man im Fußball lediglich dann erfolgreich sein, wenn man sportliche Höchstleistungen erbringt. Entsprechend sind Leistungstests unvermeidbar, denn nur so ist der Trainer dazu in der Lage, objektive Aussagen darüber zu treffen, ob sich der Leistungsstand der Spieler durch sein Training verbessert hat. Veränderungen im Bereich der Ausdauer eines Spielers können in der Regel mit dem bloßen Auge nicht erkannt werden. Selbst ein erfahrener Trainer kann mit seiner Einschätzung weit daneben liegen. Deshalb hat eine solche subjektive Leistungseinschätzung in der Regel keine Aussagekraft und bringt wieder den Spielern noch das Team weiter.

Unterschiede

Der wesentliche Unterschied zwischen Leistungsdiagnosen bei Profisportlern und im Amateurbereich liegt jedoch darin, dass Profisportler hauptberuflich damit beschäftigt sind, ihre Leistungen konstant zu steigern und Amateursportler aufgrund ihrer beruflichen und familiären Verpflichtungen lediglich überprüfen können, wo der aktuelle Leistungsstand liegt. Die Leistungsdiagnostik stellt also für Profisportler einen wichtigen Indikator für die eigene Entwicklung dar und wird im Amateurbereich lediglich zur Einschätzung der aktuellen Leistung durchgeführt.
Auf welche Art und Weise kann ich eine Leistungsdiagnostik im Amateurbereich durchführen?

Im Amateurbereich kann man die Leistungsdiagnostik auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen durchführen. Dabei haben sich einige Methoden und Verfahren in den letzten Jahren etabliert, die sichere Auskünfte über den aktuellen Leistungsstand liefern können. Die folgenden Maßnahmen, die in kostenpflichtige und kostenfreie Maßnahmen unterteilt wurden, können Sie problemlos in Ihr Training integrieren.

Kostenpflichtige Maßnahmen

Leistungsdiagnostik

  • Laktattest
    Der Laktattest ist wohl eine der kostenintensivsten Methoden der Leistungsdiagnostik. Entsprechend liefert dieser Test jedoch auch die nützlichen Informationen. Er wird durchgeführt, um die anaerobe Schwelle des Sportlers herauszufinden. Diese Schwelle stellt die höchste mögliche Belastungsgrenze dar und sollte in den Trainingsplan integriert werden, um höchste Erfolge zu erzielen.
    Ein solcher Test wird meist in einem eigens dafür konzipierten Labor durchgeführt. Dem Sportler werden verschiedene Übungen unterschiedlicher Leistungsstufen aufgetragen, wobei der Testleiter am Ende jeder Leistungsstufe dem Sportler etwas Blut aus dem Ohrläppchen oder dem Finger entnimmt. Dieses Blut wird auf seinen Laktatwert untersucht. Meist misst man während des gesamten Tests zusätzlich die Herzfrequenz.
    Das Laktat, dessen Höhe ermittelt wird, ist ein Salz der Milchsäure, das während der Energiegewinnung im Muskel freigesetzt und in das Blut abgegeben wird. Je mehr Leistung ein Muskel erbringt, umso höher ist der Gehalt des Laktats im Blut. Mithilfe des Anstiegs des Laktatwertes zwischen den einzelnen Leistungsstufen kann die höchstmögliche Belastungsgrenze für den Sportler ermittelt werden.
  • Ergospirometrie
    Anders als beim Laktattest wird der Sportler bei der Ergospirometrie langsam zunehmend belastet. Statt einzelner Leistungsstufen wird die Belastung permanent erhöht. Aus diesem Grund kann man beide Tests nicht miteinander verbinden und muss sie unabhängig voneinander durchführen lassen.
    Während der stetigen Erhöhung der Belastung werden die Atemgase mithilfe einer speziellen Atemmaske gemessen. Diese Maske umschließt den Mund und die Nase vollständig und ermittelt über Sensoren sowohl die eingeatmete als auch die ausgeatmete Luft.Zusätzlich werden die Herzfrequenz und der Blutdruck permanent kontrolliert. Eine solche Untersuchung dauert in der Regel zwischen acht und zwölf Minuten. Danach erfolgt immer eine obligatorische Nachbeobachtung.

    Erst nach dem Test werden sämtliche Daten in einem Computer zusammengeführt und anschließend ausgewertet. Der Vorteil dieses Tests besteht darin, dass er wesentlich genauere Ergebnisse erzielt als ein herkömmlicher Laktattest. Die Belastungsgrenze wird nicht als Schätzwert in einem gewissen Bereich angegeben, sondern kann genau bestimmt werden. Diese Genauigkeit hat jedoch ihren Preis, wodurch die Kosten einer Ergospirometrie jene des Laktattests nochmals deutlich übersteigen.

  • Conconi-Test
    Eine etwas günstigere Variante der beiden bereits genannten Tests ist der Conconi-Test. Dieser Test findet ebenfalls im Labor unter permanenter ärztlicher Aufsicht statt. Der Sportler wird auf einem Laufband oder Fahrrad körperlich belastet und durch stetige Erhöhung der Belastung an seine körperlichen Grenzen gebracht. Üblicherweise wird die Geschwindigkeit auf dem Laufband alle 200 m um 0,5 km/h erhöht. Erst wenn der Sportler seine Leistungen nicht weiter erhöhen kann, wird der Test beendet.
    Dieser Test stellt eine relativ exakte Erfassung zweier für das Training besonders wichtiger Werte dar. Durch die permanente Überwachung der Herzfrequenz und der maximalen Sauerstoffaufnahme kann relativ exakt ermittelt werden, wie hoch die Ausdauer des Sportlers ist. Da dieser Test dennoch relativ kostenintensiv ist und lediglich Aussagen über die Ausdauer des Sportlers trifft, wird er bei Fußballern nur sehr selten durchgeführt. Außerdem kann man aus dem Ergebnis dieses Tests lediglich Empfehlungen bezüglich des Ausdauertrainings des Sportlers ableiten. Es handelt sich dabei also um keinen rein fußballorientierten Test.
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Kostenlose Maßnahmen

  • Cooper-Test
    Der Cooper-Test ist eine der einfachsten Methoden der Leistungsdiagnostik. Dabei handelt es sich lediglich um einen Lauf mit einer absoluten Maximaldauer von zwölf Minuten. Nach Ablauf der Zeit wird überprüft, welche Entfernung der Fußballer während dieser 12 Minuten zurückgelegt hat. Grundsätzlich ist das Ergebnis hier umso besser, je weiter er in dieser Zeit gelaufen ist.Dieser Test misst die durchschnittliche Laufgeschwindigkeit des Sportlers und kann aufgrund des sehr geringen Aufwands besonders häufig durchgeführt werden. Auch entstehen bei der Durchführung dieses Tests keinerlei Kosten, da man lediglich eine angemessene Strecke und eine Stoppuhr benötigt.
    Andererseits ist dieser Test überaus monoton und nicht spezifisch auf Fußballer angepasst. Durch ihn wird lediglich die Laufleistung des Spielers in Metern angegeben. Deshalb kann man nur bedingt Trainingsempfehlungen aufgrund des Ergebnisses dieses Tests aussprechen. Außerdem ist die Leistung bei diesem Test besonders störanfällig und kann sowohl von Wetter, Temperatur als auch individuellem Befinden sehr stark beeinflusst werden.
  • Shuttle-Run-Test
    Der Aufbau des Shuttle-Run-Tests ist ebenfalls besonders einfach. Der Trainer kennzeichnet zwei Linien auf dem Feld, die ca. 20 m voneinander entfernt sind. Diese Linien dienen den Spielern als Wendepunkt und zwischen ihnen muss während des Tests gependelt werden. Das Pendeln der Spieler wird dabei durch mehrere Tonsignale begleitet. Während des Tests wird das Intervall dieser Signale immer kürzer, so das die Laufgeschwindigkeit erhöht werden muss, um mit dem Signal am Wendepunkt anzukommen. Der große Vorteil dieses Tests ist der sehr geringe Platzaufwand. Selbst bei strömenden Regen kann man diesen Test in einer kleinen Sporthalle absolvieren. Außerdem müssen die Spieler bei diesem Test mehrfach sehr schnell die Laufrichtung ändern. Damit ist der Shuttle-Run-Test deutlich näher am eigentlichen Fußballspiel als der früher häufig durchgeführte Cooper-Test.
  • Hoff-Test
    Für den Hoff-Test ist hingegen etwas mehr Vorbereitungsaufwand notwendig. Der Trainer muss vor dem Durchführen dieses Tests einen kleinen Parcours aufbauen. Dieser enthält Passagen des Vorwärtsdribbelns, des Rückwärtsdribbelns, des Springens und des Sprintens. Die Spieler müssen diesen Parcours innerhalb von zehn Minuten so häufig wie möglich absolvieren.
    Dieser Test zeichnet sich durch einen sehr hohen Bezug zum Fußball aus. Er stellt einen spezifischen Ausdauertest dar, der passgenau auf die Bedürfnisse eines Fußballers angepasst wurde. Dadurch kann er ohne Probleme sogar in das normale Training integriert werden. Er ermittelt nicht nur detaillierte Daten über Ausdauer und Geschwindigkeit der Spieler, sondern verfeinert ebenfalls die Koordination und Technik der Spieler. Leider ist die Vorbereitung dieses Tests für den Trainer sehr aufwendig, da er üblicherweise zahlreiche kleine Stangen und Hütchen im richtigen Abstand zueinander aufbauen muss. Außerdem können aus Platzgründen immer maximal zwei Spieler gleichzeitig einen solchen Kurs durchlaufen. Deshalb ist eine gute Planung und ausreichend Vorbereitungszeit zwingend notwendig.

Die Ergebnisse und wie man sie nutzt

Wie sollte man auf die unterschiedlichen Ergebnisse der Leistungsdiagnostik eingehen? Die meisten Ergebnisse der Leistungsdiagnostik im Fußball erfordern eine individuelle Betrachtung mit dem Spieler gemeinsam. Sollte ein Spieler beispielsweise das schlechteste Ergebnis des ganzen Teams im Cooper-Test aufweisen, erfordert dieses Ergebnis keine speziellen Trainingsmaßnahmen, wenn es sich bei diesem Spieler um den Torwart handelt. Ganz anders sieht es jedoch bei einem Stürmer aus.

Am besten sind die Ergebnisse der Leistungsdiagnostik für einen direkten Vergleich geeignet. Der Trainer kann einerseits mithilfe von Vergleichswerten ermitteln, wie sich die Leistung des Spielers im Vergleich zu anderen Spielern verhält. So können Potenziale erkannt und frühzeitig gefördert werden. Andererseits kann der Trainer durch das mehrmalige Ausführen eines bestimmten Tests die Entwicklung der Leistung seines Teams genauestens verfolgen und protokollieren. Besonders hilfreich sind ebenfalls die kostenpflichtigen Methoden der Leistungsdiagnostik, da sie direkte Empfehlungen für die Intensivität der Trainingsmaßnahmen machen.

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Direkte Trainingsmaßnahmen sollten lediglich dann eingeleitet werden, wenn der Trainer ein deutliches Defizit in einem wichtigen Aspekt der körperlichen Leistungen des Spielers feststellt. Sollte beispielsweise die Laufleistung eines Stürmers sehr zu wünschen übrig lassen, ist es ratsam, den Fokus des Trainings in diese Richtung anzupassen. Hierbei geben die allgemeinen Vergleichswerte der Ergebnisse der verschiedenen Tests einen guten Aufschluss über den aktuellen Leistungsstand des Spielers.

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Bildquelle:
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