Kölner Aufbautraining nach Verletzungspause

Jeder Trainer kennt das Problem. Es wird im Laufe einer Saison immer wieder zu Verletzungen im Kader kommen. Daher ist eine nicht zu unterschätzende Kompetenz von Trainern, der Umgang mit Verletzungen. Zunächst sollte es eine Diagnose geben, ehe ein Plan zur Wiedereingliederung ins Mannschaftstraining erstellt wird.

Gerade Spieler in den Amateurligen neigen dazu, Verletzungen zu unterschätzen. Zum Schutz seiner Spieler sollte ein Trainer im Sinne seines Akteurs handeln und auf Nummer sicher gehen. Konkret: Spieler rausnehmen und eventuell sogar einfordern, einen Arzt aufzusuchen.

Den Dingen Zeit geben20

Wenn das passiert ist, kehrt der Spieler im Optimalfall schon bald wieder auf den Platz zurück (nach Diagnose und Behandlung). Der nächste Fehler ist oft die überhastete Rückkehr ins Training. Daher gehen Profifußballer zunächst ins Lauf- und Krafttraining, um sich langsam heranzutasten. Beim 1. FC Köln beispielsweise gibt es für diese Fälle einen spezialisierten Rehatrainer, der die Spieler bis zur Eingliederung ins Mannschaftstraining begleitet.

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Marcel Risse, der mit einer „kleinen Muskelverletzung im Adduktorenbereich“ zu kämpfen hatte, stand bei der Arbeit mit dem Rehatrainer ebenso auf dem Platz, wie Nikolas Nartey, der nach überstandener Fußverletzung ebenfalls ins Mannschaftstraining drängt. Der Rest des Teams, das einen Tag zuvor ein Testspiel absolvierte, lief im benachbarten Stadtwald das Laktat aus den Beinen.

Geringe Intensitäten fahren

Zunächst wurde beim Training mit den beiden „Einsteigern“ logischerweise eine geringe Intensität gefahren, die im gesamten Training auch nur leicht und sukzessiv erhöht wurde. Die geringe Intensität wurde kompensiert mit einer erhöhten kognitiven Forderung an die Spieler. In der ersten Übung mussten die Spieler, die sich gegenüber positioniert haben (etwa vier Meter Abstand), einen Fußball hin und her passen. Gleichzeitig bekamen sie den Auftrag sich einen Tennisball zuzuwerfen. Zwei Abläufe müssen also miteinander synchronisiert werden.

Übung 1: Ball unten, Tennisball oben

Ausgangsposition: Zwei Spieler, ca. vier Meter auseinander, Fußball, Tennisball

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Im Anschluss wurde die Übung variiert. Beide Spieler erhielten ein Theraband, mit dem sie unterschiedliche koordinative Übungen absolvierten (z.B. tippeln auf der Stelle). Währenddessen mussten sie zwei Tennisbälle jonglieren.

Übung 2: Therabandübungen koordinativ, Tennisbälle jonglieren (VIDEO2)

Gerade für Trainer in Amateurligen, bietet sich bei Rückkehrern an, einen erhöhten kognitiven Anteil ins Training einzubauen. Oftmals hat man in der Trainingswoche mit dem Team dafür nicht die ausreichende Zeit. Bei zuletzt verletzten Spielern kann man noch keine hohen Intensitäten bemühen, daher ist das Training von Koordination und Kognition empfehlenswert. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Spieler nicht das gesamte Training einen Trainer brauchen. Zwei Spieler können die Übungen wunderbar alleine ausführen.

In der nächsten Übung wird die Aufgabe um einen akustischen Reiz erweitert. Die beiden Spieler tippeln auf der Stelle und werfen sich den Tennisball (nur den Tennisball, kein Fußball) wieder hin und her. Der Trainer gibt nun allerdings den „Annahmearm“ an, indem er kurz vor der Annahme ‚links‘ oder ‚rechts‘ ruft. Diese Übung kann man schwieriger gestalten, indem man die Bedeutungen beider Richtungen umkehrt (links rufen für Annahme mit rechts).

Übung 3: zwei Spieler tippelnd, Tennisball hin und her, Annahme mit bestimmten Arm nach Zuruf von außen (VIDEO3)

Übungen abwandeln um Effekt beizubehalten

Generell muss man erwähnen, dass kognitiv herausfordernde Übungen nicht zu lange ausgeführt werden sollten. Zum einen ist es mental anstrengend und zum anderen bleibt nach einer Weile der Spaß auf der Strecke. Daher sollten Trainer stets darauf achten, Pausen einzulegen oder die Übung frühzeitig abzuwandeln. Darüber hinaus trifft bei den Spielern relativ schnell eine Anpassung ein, ein weitere Grund um kognitive Übungen leicht abzuändern, sobald die Spieler die vorherige Übung beherrschen.

Core Performance nach Verstegen

Die beiden FC-Profis, die bis zum jetzigen Zeitpunkt etwa 25 Minuten im Training waren, begaben sich anschließend in einen längeren Stretchingpart. Hier finden sich klassischerweise viele Übungen aus der Core Performance (nach Mark Verstegen) wieder. Hier einige Beispiele:

Hüftrollen
Skorpion
Wadenstrecker
Handlauf
Standwaage
Seitlicher Ausfallschritt
Ausfallschritte nach vorne (Ellbogen zum Fuß)
Ausfallschritt nach hinten mit Drehung
gekreuzter Ausfallschritt
Dehnung aus der Sumo-Hocke

Je nach Verletzungstyp werden hier natürlich auch kräftigende Elemente angewandt. Dabei sollte man allerdings vorsichtig vorgehen und aufhören, sobald der Spieler Schmerzen verspürt.

Koordinationsübungen

Im Anschluss an Stretching/Kräftigung begaben sich die Spieler in einen kurzen koordinativen Teil des Trainings. Ein recht normales „Lauf-ABC“, das die gängigen Übungen wie Skippings, Kniehebeläufe oder Sprünge in den gesicherten Stand enthielt.

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Generell: Vom Unspezifischen zum Spezifischen

Zum Ende der Einheit wurde die Intensität noch einmal leicht angehoben. Hier erkennt man auch die Hinführung zum eigentlichen Spiel. Mit Ball geht es in Temposituation. Die Prämisse für ein Rehatraining in diesem Fall: Vom Unspezifischen zum Spezifischen. Für Risse und Nartey ging es in einen Parcours, bei dem die Spieler mit dem Ball im Tempo um Stangen dribbeln mussten. Dies wurde im Laufe der Übung durch verschiedene technische Aspekte erweitert:

Ball nur mit der Sohle führen
Ball nur mit der Innenseite/Außenseite führen
Ball pendeln

Hier könnt Ihr als Trainer Eurer Kreativität freien Lauf lassen. Ihr solltet Euch immer nur vor Augen führen, dass die Spieler aus einer Verletzung kommen. Daher seid lieber etwas zu vorsichtig als zu vorschnell. Denn von einer erneuten Verletzung habt weder ihr was, noch euer Spieler.

Spieler individuell betrachten

Des Weiteren sollte jeder Spieler individuell betrachtet werden. Die Spieler sind zwar wieder gesund, allerdings kommen sie aus unterschiedlichen Verletzungen. Daher darf man nicht den Fehler machen, beide Spieler gleich zu bewerten und die gleichen Intensitäten trainieren zu lassen.

Autor: Jannis Fabian Kruck

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