Wie trainiert man erfolgreich den Vertikalpass?

Der Vertikalpass ist ein offensiv ausgerichteter Pass, der dazu dient, in einen tieferen Raum vorzudringen. Ein Vertikalpass wird normalerweise nicht zur Ballsicherung gespielt. Im Unterschied zu den anderen Passrichtungen, horizontal und diagonal, können so am schnellsten torgefährliche Aktionen kreiert werden.

Worauf kommt es beim Vertikalpass an?

Von entscheidender Bedeutung ist die Stellung des Passempfängers. Kann dieser nach einem Vertikalpass Richtung Tor aufdrehen oder bekommt er sogar den Ball in den Lauf gespielt, ist neuer Raum für die Offensive gewonnen. Kann der Passempfänger den Ball nur mit dem Rücken zum Tor annehmen, war der Vertikalpass weniger nützlich. Dennoch kann so auch Raum gewonnen werden, wenn der Passempfänger einen freien Mitspieler erreicht, der höher steht als der Passgeber.

Der Nachteil eines Vertikalpasses ist die in der Regel gute Grundordnung des Gegners, die es ermöglicht, den Pass im Vergleich zu anderen Passrichtungen wie Querpass oder Diagonalpass leichter verteidigen kann. Erfolgreich kann ein Vertikalpass dann sein, wenn man es als Team schafft, dieser Grundordnung vorab zu stören (falsche Staffelung) oder das „Spiel über den Dritten“ initiiert.

Technische Anforderungen an einen Vertikalpass

Technisch wird ein Vertikalpass meist flach mit der Innenseite oder auch mit dem Vollspann gespielt. Wobei die letztere Variante technisch deutlich anspruchsvoller ist. Wichtig ist eine hohe Geschwindigkeit, d.h. idealerweise ein direkter Vertikalpass. Der Erfolg zumeist nach einem „Zurückklatschen“ des Balles der eigenen Vorderleute. So kann sich der Passgeber in den Ball hineinbewegen.

Varianten des Vertikalpasses

Auch hohe Vertikalpässe sind möglich und werden als „Chip-Ball“ in den Rücken der Abwehr gespielt. Allerdings muss der Empfänger durchsetzungsstark sein und kann den Ball zumeist nur nach hinten ablegen. Wenn der Ball lange in der Luft ist, hat die Verteidigung ausreichend Zeit den Raum abzudecken.

Der erfolgreiche Vertikalpass bei Real Madrid

Beispiel Analyse Real Madrid – Mallorca,  September 2021

Zitierte Quelle: DAZN Fußball International https://www.youtube.com/watch?v=hIq6CXrxv0Y

Spielszene: von 2:07 bis 2:16

Real Madrid befindet sich im Spielaufbau. Dabei wird die Verteidigung vom tief stehenden Gegner Mallorca nicht unter Druck gesetzt. Der rechte Innenverteidiger Eder Militao erhält einen kurzen Querpass vom linken Innenverteidiger David Alaba, der in seinen Lauf gespielt wird.

Dieser treibt den Ball weiterhin unbedrängt über die Mittellinie. Karim Benzema positioniert sich zwischen den gegnerischen Innenverteidigern.  Der rechte „6er“ von Mallorca verpasst es sich ballorientiert zu verschieben, wodurch der Passweg zu Benzema ermöglich wird. Militao erkennt das und spielt einen flachen Vertikalpass genau auf Benzema.

Dieser ist bedrängt von den beiden Innenverteidigern und dreht sich mit dem Rücken zum Tor, um den Ball zu schützen. Durch das Ziehen beider Innenverteidiger auf Benzema wird die Lücke zu den Außenverteidigern größer. Asensio, der ungedeckt ist, erkennt das und stößt in diese Lücke vor. Benzema spielt nach dem Vertikalpass von Militao direkt weiter in den Lauf von Asensio und er hat freie Bahn zum Tor.

Diese Passabfolge wird auch „Spiel über den Dritten“ genannt. Benzema ist hierbei der „Dritte“, die Zwischenstation, die den Pass von Militao auf Asensio ermöglicht.

Training des Vertikalpasses

Die hier aufgeführte Passschleife benötigt jeweils 2 aufgebaute Quadrate (markiert durch Muldenhauben) und ein Hütchentor. Die eingezeichneten Positionen und Abstände müssen an das Niveau angepasst werden.

In den Quadraten befinden sich jeweils 3 Spieler. Jeder Spieler darf den Ball nur einmal mit einem Kontakt berühren. Die ersten beiden Pässe erfolgen mit dem Ziel der Ballverarbeitung im Quadrat. Der letzte Pass wird vertikal wahlweise per Innenseite oder Vollspann direkt durch das Hütchentor gespielt. Auf der anderen Seite erfolgt der gleiche Ablauf.

Die Passübung kann als Wettbewerb zwischen den 3er Teams gespielt werden. Ein Pass durch das Hütchentor ergibt einen Punkt. Wird der Vollspann verwendet, gibt es einen Extrapunkt.

Eine sehr themennahe Übungsreihe, die wir empfehlen können, ist die Trainingsserie Trainieren und Erlernen des Schnittstellenballs