17. Februar 2012
Die Diskussion um den Trainerschein hat in den vergangenen Jahren auch vor dem Profifußball nicht Halt gemacht. Lebhaft in Erinnerung ist noch das Beispiel Markus Babbel: Der hatte als Teamchef den VfB Stuttgart am Ende der Saison 2008/09 auf den dritten Platz und nach der Sommerpause via Qualifikation in die Champions League gebracht. Der DFB in Form von Matthias Sammer forderte jedoch von Babbel, dass er den Schein machen solle, wogegen sich der VfB und Babbel zunächst heftig wehrten. Doch Babbel blieb keine Wahl, er musste an den Lehrgängen teilnehmen und konnte sein Team nur noch an drei Tagen in der Woche betreuen. Der VfB Stuttgart stürzte in der Tabelle ab und die Frage war: War es nicht offensichtlich, dass Babbel ein guter Trainer ist? Warum sich das durch einen Schein bestätigen lassen müssen? Schließlich hatte er als Fußballer (u.a. FC Bayern, FC Liverpool etc.) und als Co-Trainer beim VfB langjährige Erfahrungen in der Branche vorzuweisen.
Doch wir wollen uns lieber mit der Frage beschäftigen, ob es für Trainer von Jugend- und Amateurteams ratsam ist, den Trainerschein zu machen oder eben nicht. „Trainer“ darf sich – eigentlich – nur nennen, wer eine A-, B- oder C-Lizenz erworben hat (wer einen Club beruflich trainiert oder beim DFB oder den einzelnen Verbänden als Trainer arbeitet, nennt sich offiziell „Fußballlehrer“); wer hingegen im Amateurbereich oder in der Jugend auf ehrenamtlicher Basis ohne Lizenz, also ohne Trainerschein, fungiert, hat keine offizielle Bezeichnung. Das vom DFB aufgesetzte System ist relativ komplex, wie hier nachzulesen ist: http://www.dfb.de/index.php?id=500920.
Bereits daraus wird ersichtlich, dass es für die einzelne Person im Prinzip nur von zwei Faktoren abhängt, einen Schein zu erwerben. Zum einen ist das der Fall, wenn sich ein Fachübungsleiter vorstellen kann, zu einem späteren Zeitpunkt einen höherklassigen Verein zu trainieren (etwa auf Verbandsebene direkt unterhalb der Regionalliga); zum anderen ist der Erwerb einer Lizenz dann sinnvoll, wenn man sich als Fachübungsleiter fachlich fortbilden möchte – in diesem Fall also einen Lehrgang besuchen will.
Der Erwerb einer solchen Trainerlizenz ist vor allem dafür gedacht, dass „einheitliche Qualitätsstandards“ (Wikipedia) gewährleistet werden können. Wer die C-Lizenz machen möchte, beginnt in jedem Fall mit einem zweiteiligen Eignungstest (Theorie und Praxis), der gewährleisten soll, dass sich der potenzielle Lizenzinhaber generell mit dem Fußball ein wenig auskennt. Die Bandbreite eines theoretischen Tests kann von Fragen zu Begleiterscheinungen des Amateurfußballs (wie etwa Gewalt innerhalb einer Mannschaft oder bei einem Spiel) über Fragen, wie Jugendliche für den Fußball begeistert werden können, bis hin zu komplexeren Themen wie der Beschreibung bestimmter taktischer Systeme. Beim Praxistest existieren ebenfalls viele Varianten; im Normalfall wird jedoch ein von den Übungsleitern konzipiertes Training abgehalten. Hintergrund hierfür ist folgender: Wer mindestens eine C-Lizenz erwerben möchte, sollte in der Lage sein, seinen Schützlingen die Übungen auch vorzumachen. Denn das steigert in jedem Fall die Akzeptanz innerhalb der Mannschaft.
Als Conclusio bleibt also nur zu sagen: Der Erwerb einer Trainerlizenz ist dann nicht notwendig, sofern man als Teamleiter (so die offizielle DFB-Bezeichnung) im Kinder-, Jugend- und Seniorenbereich (in unteren Spielklassen) fungieren möchte. Sinnvoll ist eine Weiterbildung im Sinne eines Lizenzerwerbs jedoch allemal. Und wer weiß schon, ob er später nicht doch einmal Lust verspürt, ein höherklassiges Team zu führen.
17. Januar 2012
Um ein Trainingslager ordentlich durchführen zu können, bedarf es einer ganzen Menge Überlegungen, die vorab angestellt werden müssen. Welches Alter hat die (Jugend-)Mannschaft, handelt es sich um ein Sommer- oder um ein Wintertrainingslager, was soll hauptsächlich trainiert werden im Trainingscamp, und: Welche anderen Freizeitangebote sollte es in der Nähe geben? Fragen, die unbedingt beantwortet werden müssen, bevor es in Trainingslager geht. Wir wollen mit der Frage nach dem Alter beginnen.
Denn ganz entscheidend ist es, in welcher Entfernung von zuhause das Camp liegt – für den Fall, dass es jüngere Spieler sind, ist es ratsam, das Trainingslager in relativer Nähe zum Heimatort abzuhalten. Denn gesetzt den Fall, ein Spieler verletzt sich schwerer, so dass es eines Aufenthalts in der Klinik bedarf, oder ein Spieler erkrankt ernsthaft (etwa an einer fiebrigen Grippe), so ist es gerade für die Jüngeren wichtig, dass die Eltern das Kind bzw. den Jugendlichen besuchen oder gar nach Hause holen können. Natürlich gibt es keine Richtlinie in Form einer Kilometerzahl, doch sollten die Eltern in einem solchen Fall innerhalb kurzer Zeit in der Lage sein, an den Ort des Trainingslagers zu kommen. Ältere Jugendliche oder erwachsene Fußballer legen hingegen von sich aus Wert darauf, dass das Camp weiter von zuhause entfernt ist, so steigt das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Fremde und der „Abenteuer“-Faktor.
Während es im Sommer praktisch überall möglich ist, ein Trainingscamp durchzuführen (jedenfalls in Mitteleuropa), liegt der Fall im Winter bzw. im späten Winter, wenn die Vorbereitung auf die Rückrunde steigt, deutlich anders. Niemand weiß zum Zeitpunkt der Buchung, wie das Wetter an einem bestimmten Ort sein wird, darum empfiehlt es sich für Jugend- und Amateurteams, das Trainingslager nicht mehrere Autostunden vom Heimatort entfernt auszutragen. So vermeidet man gerade im Winter oft stundenlange Anreisen bei gefährlichen Straßenverhältnissen und kann, so das Wetter den Gang auf den Fußballplatz überhaupt nicht zulässt, im Zweifelsfall das Camp abbrechen und nach Hause fahren, bevor der Lagerkoller ausbricht. Schließlich soll ja trainiert und nicht etwa eine Woche lang ununterbrochen Tischfußball oder Tischtennis in der Unterkunft gespielt werden. In jedem Fall ist es ratsam, sich vorher zu versichern, dass sich in unmittelbarer Nähe der Unterkunft eine Sporthalle befindet, so dass zumindest hin und wieder indoor trainiert werden kann, sollten die Sportplätze unter freiem Himmel etwa gesperrt sein.
Dann: Was plant man als Trainer für Schwerpunkte im Camp? Auch das ist ein Kriterium, das bei der Wahl des Ortes ins Gewicht fällt. Für die Sommervorbereitung auf die neue Saison etwa legen die meisten Trainer Wert darauf, dass auch konditionelles Grundlagentraining durchgeführt werden sollte. Hierfür bietet sich in jedem Fall ein Trainingscamp in einer hügeligen oder gar bergigen Umgebung an – je höher gelegen, desto besser: ein Höhentrainingslager ist ideal für die Vorbereitung im Sommer. Zum einen, weil dabei rote Blutkörperchen in Mengen produziert werden, das stärkt Muskulatur und Kreislauf. Zum anderen, weil das läuferische Element anspruchsvoller ist, wenn die Strecken nicht immer nur ebenerdig verlaufen. Außerdem können auf den hügeligen Strecken auch Touren mit dem Mountainbike prima durchgeführt werden, um den Spaßfaktor beim Konditionstraining zu erhöhen. Nun sollte natürlich kein Jugend- oder Amateurverein aus Norddeutschland ins Allgäu oder nach Österreich reisen müssen (für Vereine weiter südlich ist das hingegen in der Regel kein Problem), doch gibt es schon in den nördlicheren deutschen Mittelgebirgen ausreichend Möglichkeiten, etwa im Harz oder im Sauerland, die genannten Rahmenbedingungen vorzufinden.
Für eine Gruppe ist es überdies enorm wichtig, dass in der Nähe der gewählten Unterkunft ausreichend Möglichkeiten vorhanden sind, um die freie Zeit während des Trainingscamps zu verbringen. Idealerweise verbinden die Spieler diese Freizeit aktiv. Das bedeutet, nahe gelegene Hallen- oder Freibäder sind ebenfalls Grundbedingung für die Wahl des Ortes. Eine Sommerbobbahn, Tennis- oder Minigolfplätze o.Ä. schaden ebenfalls nicht. Zudem sollte die Unterkunft über einige Tischtennisplatten verfügen, was indes zumeist der Fall ist.
Was die Unterkunft selbst betrifft, so sollte man die Spieler nicht mit einem luxuriösen Hotel der Kategorie „3 Sterne plus“ verwöhnen und darauf achten, dass niemand ein Einzelzimmer bekommt (es sei denn, es bestehen berechtigte Gründe). Einfache Hotels bzw. Jugendherbergen genügen in aller Regel, schließlich liegt das Augenmerk darauf, dass viel trainiert wird und die Spieler abends müde sind. Um die Gruppe zu stärken, schadet es nicht, wenn die Spieler ihr Abendessen hin und wieder selbst zubereiten müssen – hier lässt sich mit der Hausleitung sicher eine Vereinbarung treffen, dass einige der Spieler an einigen Abenden die Küche selbst nutzen können, um für alle zu kochen, während ein zweiter Teil der Mannschaft des Tisch deckt und später den Abwasch übernimmt. Nicht zwingend notwendig, aber doch ratsam ist es, einen Gemeinschaftsraum mit einem Fernseher und einem DVD-Spieler zur Verfügung zu haben.
20. April 2011
Ein Trainer muss sich stets neu beweisen. Oft reichen schon wenige Niederlagen aus, um eine positive in eine negative Stimmung kippen zu lassen. Der Druck ist dementsprechend groß. Dennoch muss ein Trainer sich unter Kontrolle haben und darf auch in schwierigen Situationen keine Fehler machen, die sich langfristig auswirken. Damit sind nicht Fehler wie falsche Auswechslungen gemeint. Kleine Fehler können jederzeit passieren. Solange sie sich nicht häufen, mindern sie nicht den Respekt der Spieler.
Es gibt aber Fehler, die einen Trainer in kurzer Zeit untragbar werden lassen. Ganz oben auf der Liste steht dabei der Verlust von Glaubwürdigkeit. Ein Trainer, bei dem Worte und Taten nicht miteinander in Einklang stehen, wird schnell den Respekt seiner Spieler verlieren. Wer z.B. Pünktlichkeit einfordert, selbst aber ständig durch Unzuverlässigkeit auffällt, verliert seine Autorität.
Ein Trainer muss zu seinem Wort stehen. Deswegen sollte er keine Versprechungen machen. Das klingt zynisch, ist aber in der Realität die beste Vorgehensweise. Selbstverständlichkeiten wie Fairness, Loyalität zum Verein und Zuverlässigkeit müssen nicht durch ein Versprechen bestätigt werden. Es reicht völlig, wenn diese Werte in der Praxis gelebt werden. Andere Versprechen können im schnelllebigen Fußball schnell zum Problem werden. Wenn ein Trainer einem Spieler verspricht, im nächsten Spiel auf jeden Fall zu spielen, klingt das im ersten Moment unproblematisch. Doch was ist, wenn ein verletzter Spieler sich zurückmeldet oder der auserkorene Spieler schlecht trainiert? Dann hat der Trainer plötzlich ein Dilemma und muss vielleicht sein Versprechen brechen. Für den Spieler ist am Ende entscheidend, ob er spielt oder nicht. Das Versprechen des Trainers wird nur dann wichtig, wenn es gebrochen wird.
Ebenso kann es einem Trainer sehr schaden, wenn er Spieler ungleich behandelt. Das führt zu Neid in der Mannschaft, der auf Dauer eine zersetzende Wirkung im Team haben kann. Wenn ein Trainer einzelne Spieler anders behandelt, muss er dafür gute Gründe haben und diese der Mannschaft mitteilen. Es kann z.B. sein, dass ein Spieler extrem gut ist, aber aus beruflichen Gründen kaum trainieren kann. Wenn der Trainer ihn trotzdem aufstellt, sollte er dies erklären und rechtfertigen.
Es gibt viele Trainer, die niemals einen Fehler zugeben. Das muss nicht problematisch sein, aber ein Zeichen von Souveränität ist es auch nicht. Kompliziert wird es, wenn ein Trainer einen Fehler nicht nur nicht zugibt, sondern ihn auch noch zur richtigen Entscheidung umdeutet. Wenn z.B. ein Einwechselspieler zwei spielentscheidende Eigentore macht und der Trainer hinterher behauptet, die Einwechslung war richtig und erfolgreich, wird ihm das wohl kaum jemand glauben.
Trainer sollten niemals etwas persönlich nehmen. Fußballer sind natürlich Menschen, aber ihre Handlungen auf dem Platz sollten nicht in den persönlichen Bereich ausgeweitet werden. Wenn ein Trainer seinen Spielern Charakterschwäche unterstellt, ist das nicht zweckdienlich. Ebenso wenig sind persönliche Demütigungen hilfreich, vor allem wenn sie vor der versammelten Mannschaft erfolgen. Ein Trainer, der sich auf diese Ebene begibt, verliert schnell den Rückhalt in der gesamten Mannschaft, auch wenn er nur einzelne Spieler schlecht behandelt.
Fairness ist im Sport das oberste Gebot. Danach muss sich auch ein Trainer richten. Auf Dauer kann ein Trainer nur dann auf seine Spieler zählen, wenn er sie fair behandelt. Damit ist nicht nur gemeint, dass die Aufstellung nachvollziehbar, weil leistungsgemäß ist. Vielmehr gibt es im Alltag der Beziehung zwischen Trainer und Mannschaft viele Details, bei denen ein Trainer gefragt ist. Es ist extrem hilfreich, wenn der Trainer seinen Spielern immer wieder erläutert, warum er eine bestimmte Entscheidung so und nicht anders getroffen hat. Blinder Gehorsam darf in der heutigen Zeit nicht erwartet werden.
Bei aller nötigen Selbstkritik sollte ein Trainer stets selbstbewusst auftreten. Wenn ein Trainer anfängt, sich und die Mannschaft in Frage zu stellen, entsteht eine negative Stimmung. Ein Trainer muss immer an den Erfolg glauben. Falls er das nicht kann, sollte er zurücktreten.
13. April 2011
In einer Fußballmannschaft ist Disziplin die Voraussetzung für Erfolg. Viele Trainer arbeiten mit Strafenkatalogen, in denen jedes Vergehen mit einer Strafe geahndet wird. Im den oberen Amateurklassen und im Profibereich handelt es sich meist um Geldstrafen. In den unteren und mittleren Amateurklassen ist das aber ein Mittel, das nicht besonders gut geeignet ist. Die Spieler bekommen wenig oder gar kein Geld für ihre Dienste. Geldstrafen würden deswegen zu einer unangemessen Belastung werden.
Aber das heißt nicht, dass nicht trotzdem ein Strafenkatalog aufgestellt werden kann. Das folgende Beispiel zeigt, das Strafen wirksam und sinnvoll sein können, ohne dass der Geldbeutel angetastet wird. Manchmal sind mehrere Alternativen vorgeben, die z.T. auch kombiniert werden können.
Strafenkatalog
unnötige Rote Karte (z.B. wegen Tätlichkeit)
-Der Spieler muss nach dem nächsten Training die Schuhe aller Spieler reinigen.
-Der Spieler kümmert sich einen Monat lang alleine um das Trainingsmaterial (Bälle, etc.).
-Der Spieler trägt eine Woche lang beim Training ein spezielles Leibchen mit dem Schriftzug: „Ich war unbeherrscht und habe dem Team damit geschadet!“
unnötige Gelbe/Gelb-Rote Karte (z.B. wegen Meckern, Trikot ausziehen, etc.)
-Der Spieler kümmert sich eine Woche lang alleine um das Trainingsmaterial (Bälle, etc.).
-Der Spieler trägt eine Woche lang beim Training ein spezielles Leibchen mit dem Schriftzug: „Ich habe einen dummen Fehler gemacht und dem Team geschadet!“
unvollständige Ausrüstung (Schienbeinschoner vergessen, Schuhe vergessen, etc.)
-Beim nächsten Spiel kommt der Spieler früher und hilft dem Platzwart bei der Vorbereitung des Spielfelds.
Handy klingelt in der Kabine
-Der Spieler reinigt nach dem Spiel/Training die Kabine.
-Anstelle des Trainingsspiels absolviert der Spieler bei der nächsten Einheit ein Konditionstraining.
Handy klingelt während der Mannschaftssitzung
-Zu Beginn der nächsten Mannschaftsitzung muss der Spieler ein Lied singen oder ein Gedicht vortragen. Der Vortrag muss mindestens 30 Sekunden dauern.
unentschuldigtes Fehlen beim Training
-Beim nächsten Training kommt der Spieler eine Stunde früher und absolviert eine zusätzliche Einheit.
unentschuldigtes Fehlen beim Spiel
-öffentliche Entschuldigung vor der Mannschaft, 2 Spiele interne Sperre
-Zwei Wochen mit einem Leibchen mit der Aufschrift: „Ich habe das Team im Stich gelassen“ trainieren.
unentschuldigt zu spät zum Training
-pro Minute muss der Spieler vor der gesamten Mannschaft 5 Liegestütze/Kniebeugen/etc. machen
unentschuldigt zu spät zum Spiel
-pro Minute eine Platzrunde vor dem nächsten Training
-Der Spieler fliegt aus der Elf und nimmt auf der Bank Platz.
ungebührliches Verhalten gegenüber Mitspielern (persönliche Beleidigungen, etc.)
-Eine Entschuldigung vor der ganzen Mannschaft beim betroffenen Spieler. Dazu muss der Spieler eine Woche lang beim Training ein Leibchen mit dem Schriftzug: „Ich schäme mich für mein mieses Verhalten“ tragen.
6. April 2011
Schiedsrichter sind im Fußball unverzichtbar. Dennoch bekommen Schiedsrichter bestenfalls den Respekt der Beteiligten, geliebt werden sie nie. Es bedarf also einer starken Persönlichkeit, um diese schwierige Aufgabe zu bewältigen. In den unteren Amateurklassen gibt es längst das Problem, dass sich kaum noch jemand findet, der jedes Wochenende als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz verbringen möchte.
Für Trainer sind die Schiedsrichter zunächst einmal ein Teil des Spiels, den sie nicht beeinflussen können. Das heißt natürlich nicht, dass sie es nicht trotzdem versuchen würden. Dabei ist nicht an Bestechung gedacht. Vielmehr versuchen manche Trainer den Schiedsrichter unter Druck zu setzen oder an sein Gerechtigkeitsgefühl zu appellieren. Es ist wohl kaum nötig zu erwähnen, dass dies in den seltensten Fällen Erfolg hat.
Die meisten Schiedsrichter reagieren nur auf positive Bestätigung positiv. Wenn der Trainer und die Spieler sich ruhig und respektvoll verhalten, führt dies oft zu einem wohlwollenden Verhalten in kritischen Situationen. Dahingegen mag es kein Schiedsrichter, von einem Trainer oder einem Spieler verbal attackiert zu werden. Wer sich den Unmut des Schiris auf diese Weise zuzieht, darf ich sich hinterher nicht beschweren, wenn der Schiedsrichter im Zweifel gegen das eigene Team entscheidet.
Ein guter Trainer weist seine Mannschaft an, den Schiedsrichter in Ruhe zu lassen. Negative Äußerungen und heftig vorgetragene Beschwerden bringen auf dem Platz nichts. Das Ergebnis ist bestenfalls eine Verwarnung oder sogar ein Platzverweis. Das schwächt das eigene Team und macht nur den Gegner stark.
Ein Schiedsrichter nimmt eine gefällte Entscheidung nicht zurück. Diese grundlegende Wahrheit gilt in den unteren Amateurklassen noch mehr als im Profibereich. Bei den Profis kann es z.B. passieren, dass der Linienrichter etwas gesehen hat, das zu einer Korrektur der Schiedsrichterentscheidung führt. In den unteren Amateurklassen gibt es oftmals nicht einmal Linienrichter. Sollte es aber Linienrichter geben, die eine andere Entscheidung anzeigen, kann ein Spieler den Schiedsrichter natürlich darauf hinweisen. Es nutzt aber überhaupt nichts, sich vor dem Linienrichter aufzubauen und lautstark eine andere Entscheidung einzufordern.
Ein Schiedsrichter pfeift eine Mannschaft meist mehrmals in einer Saison. Auch das sollte ein Trainer im Hinterkopf haben. Wenn ein Schiedsrichter durch feindselige Handlungen in einem früheren Spiel bereits bei der Anreise ein mulmiges Gefühl hat, fördert das kaum die Qualität seiner Spielleitung.
Der Umgang mit einer Fehlentscheidung stellt eine besondere Herausforderung für einen Trainer dar. Im Spiel ist es völlig sinnlos, mit einer Fehlentscheidung zu hadern. Der Trainer muss dafür sorgen, dass die Spieler möglichst schnell den Kopf wieder frei haben und zurück ins Spiel finden. Das geht natürlich nur, wenn auch der Trainer einen kühlen Kopf bewahrt. Nach dem verständlichen Ärger muss sofort die Konzentration auf die neue Situation folgen.
Auch wenn es verständlich ist, dass ein Trainer manchmal gerne dem Schiedsrichter die Schuld an einer Niederlage geben möchte: Damit hilft er niemandem. Die Punkte sind weg, das Spiel ist gespielt. Allenfalls gibt er der Mannschaft ein Alibi. Die Grundregel sollte deswegen lauten, dass der Trainer und die Spieler sich nur mit den Dingen beschäftigen, die sie beeinflussen können. Und dazu gehören die Entscheidungen des Schiedsrichters eben nicht dazu. Es ist zwar menschlich, sich über Fehlentscheidungen aufzuregen, aber dadurch ist noch keine Mannschaft besser geworden.
Leider sind viele Trainer im Profibereich schlechte Vorbilder. Einige hüpfen an der Linie auf und ab, beschimpfen die Linienrichter oder den vierten Offiziellen. Noch schlimmer ist es aber, wenn der Schiedsrichter nach dem Spiel öffentlichkeitswirksam attackiert wird.
Diese Profitrainer sollten vielleicht einmal darüber nachdenken, dass sie eine Vorbildfunktion haben für Trainer, die in unteren Klassen agieren. Spieler und Trainer machen regelmäßig Fehler. Warum sollte also gerade ein Schiedsrichter, der vielleicht den schwersten Job im Fußball hat, keine Fehler machen dürfen?
30. März 2011
Wenn eine Mannschaft viele Spiele gewinnt, dann wird ihr meist eine tolle Taktik beschieden. Bei Niederlagenserien wird hingegen schnell der Einsatzwille in Frage gestellt. Das ist in der Bundesliga nicht anders als in einem unterklassigen Verein. Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht.
Die Grenzen der Taktik
Der Begriff Taktik kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Er kann sich auf das Verhalten eines einzigen Spielers oder auf das Verhalten der ganzen Mannschaft beziehen. Die Umsetzung einer Taktik ist abhängig von vielen Faktoren. Dazu gehört sicher auch die innere Bereitschaft der Beteiligten, also der Wille. Doch auch Disziplin und Teamgeist sind wichtig. Entscheidend ist aber, dass im Training die Taktik einstudiert worden ist. Erst wenn Automatismen vorhanden sind, funktioniert eine Taktik auch bei widrigen Bedingungen.
Nicht unterschätzt werden darf auch der Einfluss des Gegners. Ein Kreisliga-Team, das gegen einen Bundesligisten antritt, wird mit einer Offensivtaktik scheitern. Der Trainer muss eine Taktik wählen, die umsetzbar ist. Andernfalls hilft auch die größte Einsatzbereitschaft nicht weiter.
Die Grenzen des Willens
Die spielerische und athletische Qualität eines Kaders kann durch eine Willensleistung ausgereizt, aber nicht überschritten werden. Die Aufgabe des Trainers ist es, die Spieler und das gesamte Team an seine Leistungsgrenzen zu bringen. Die Aktivierung des Willens ist vor allem eine psychologische Aufgabe, aber auch der körperliche Aspekt darf nicht übersehen werden. Nur ein fitter Spieler kann sein eigenes Limit erreichen.
Es gibt Trainer, die glauben, dass sie Spiele alleine durch Willenskraft gewinnen können. Sicher kann kurzfristig die eine oder Schwäche auf diese Weise überwunden werden. Langfristig reicht es aber nicht aus, nur an den Willen zu appellieren. Große Mannschaften zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie mit gedrosseltem Einsatzwillen ein Spiel durch Taktik und Disziplin gewinnen können.
Wenn ein Spieler will, aber nicht kann
Die Psyche eines Menschen ist komplex. Es zeigt sich häufig, dass der reine Wille nicht ausreicht, um eine gute Leistung zu bringen. Gerade in negativen Phasen passiert es, dass Spieler blockieren und viel schlechter spielen als üblich. Dann liegt es am Trainer, dieses Problem zu lösen. Meist ist zusätzlicher Druck nicht hilfreich, denn zu großer Druck ist oft der Grund, warum ein Spieler keine Leistung bringt. Es gibt aber auch Spieler, die nur dann Leistung bringen, wenn sie massiven Druck spüren.
Viele Trainer stellen in schlechten Phasen den Charakter einzelner Spieler in Frage. Das ist ein gefährliches Spiel, durch welches das Team auseinanderbrechen kann. Wenn erst einmal Sündenböcke ausgemacht werden, ist das oft der Anfang vom Ende. Ein Trainer sollte immer nach dem Grundsatz handeln, dass alle Spieler Teil des Teams sind und Respekt verdienen. Wenn ein Spieler tatsächlich nicht mehr in das Kollektiv passt, sollte er entlassen werden. Interne Spielereien sind hingegen kontraproduktiv.
Tolle Taktik und trotzdem kein Erfolg
Eine Taktik, die am Reißbrett wunderbar funktioniert, muss auf dem Spielfeld umgesetzt werden. Dazu ist die Bereitschaft der Spieler erforderlich. Der Trainer muss als Anführer des Teams mitreißen und überzeugen können. Wenn eine Mannschaft ein taktisches Konzept ablehnt, ist es kaum möglich, damit erfolgreich zu sein.
23. März 2011
Ein Fußballplatz muss nach den FIFA-Regeln eine Breite zwischen 45 und 90 Metern und eine Länge von 90 bis 120 Metern haben. Das führt in der Praxis dazu, dass Fußballplätze sehr unterschiedliche Dimensionen haben. Zwar sind Extreme selten, aber es gibt durchaus Plätze, die nur 90 Meter lang oder gerade einmal 60 Meter breit sind. Ein Trainer kann die Größe des Platzes in seine Taktik einbeziehen und damit seinem Team einen Vorteil geben.
Es gibt Vereine, die Plätze in unterschiedlichen Größen zur Verfügung haben. Dieser Umstand kann sollte genutzt werden. Im Folgenden finden Sie einige grundsätzliche Überlegungen:
Breiter und langer Platz
Ein großer Platz kommt Mannschaften zugute, die eine hohe Spielkultur haben. Ein schnelles Passspiel zwingt den Gegner zu einem hohen Laufpensum. Die Spieler sollten die ganze Breite des Platzes nutzen. Der Abwehr kommt eine wichtige Bedeutung im Offensivspiel zu, da sie das eigentliche Spielfeld durch schnelles Aufrücken klein halten muss. Ansonsten kann der Gegner bei einer Balleroberung den Raum für einen Gegenangriff nutzen.
Unterlegene Mannschaften haben es auf einem großen Platz besonders schwer. Sie müssen versuchen, die Laufarbeit gering zu halten. Das geht nur, indem der Gegner spät angegriffen wird. Das ist aber gefährlich, da es eigentlich bei der Abwehrarbeit darum geht, den Gegner weit weg vom Tor zu halten. Deswegen ist es wichtig, immer wieder Konter zu setzen und den eigenen Erfolg zu suchen.
Breiter und kurzer Platz
Auf einem solchen Platz ist das Spiel über die Außenposition der beste Weg zum Erfolg. Kopfballstarke Stürmer und Mittelfeldspieler sollten bei jeder Flanke den Weg in den Strafraum suchen.
Ein unterlegenes Team muss sich geschickt verschieben, um die gerade bespielte Seite abzudecken. Je weniger Flanken zugelassen werden, desto größer ist die Chance auf ein gutes Ergebnis. Der Weg zum gegnerischen Tor ist nicht weit, so dass ein schneller Konter mit wenigen Stationen Erfolg bringen kann.
Schmaler und langer Platz
Eine geringe Breite begünstigt ein verteidigendes Team, das sich in die eigene Hälfte zurückzieht. Der Weg zum gegnerischen Tor ist weit, so dass Konter schwierig sind. Deswegen ist es sinnvoller, einen konsequenten Spielaufbau zu forcieren. Das Spiel über die Außenpositionen ist zwar nicht optimal, aber es ist notwendig, um die ganze Breite zu nutzen. In der Mitte gibt es in der Regel wenige Lücken. Durch schnelles Umschalten kann die Länge des Platzes besonders gut genutzt werden.
Schmaler und kurzer Platz
Ein solches Spielfeld begünstigt technisch starke Akteure. Schnelle Spieler können ihre Stärken kaum ausspielen, da der Raum sehr eng ist. Gegen einen starken Gegner ist ein kleiner Platz ein großer Vorteil, da die Wege sehr kurz sind. Wenn sich das Team zwischen Strafraum und Mittellinie aufbaut, hat auch eine deutlich stärkere Mannschaft große Probleme, einen sinnvollen Spielaufbau zu vollziehen. Auf der anderen Seite ist der Weg zum gegnerischen Tor nicht weit. Ein Stürmer, der stets auf Höhe des letzten Mannes lauert, kann durch einen einzigen Pass zu einer hervorragenden Chance kommen.
Gegen einen schwächeren Gegner ist konsequentes Forechecking ein probates Mittel. Dadurch kann der Ball in günstiger Position erobert werden. Die Angreifer können zudem die kurzfristige Unordnung bei einem erzwungenen Ballverlust ausnutzen. Oft ist in solchen Spielen Geduld gefragt, denn die Rahmenbedingungen kommen dem Gegner zugute.
Eine Idee für Mutige:
Es gibt keinen Grund, einen Platz ganz auszunutzen. Durch die Markierungslinien ist es möglich, das Spielfeld schmaler zu machen. Wenn bewegliche Tore vorhanden sind, ist auch eine Verkürzung problemlos möglich. Auf diese Weise wird die Platzgröße zu einem wertvollen taktischen Mittel.
16. März 2011
Niederlagen gehören zu den unangenehmen Seiten des Sportlerlebens. Doch sie sind ein Teil des Sports und der Umgang mit Niederlagen ist eine Aufgabe, die einem Trainer viel abverlangt. Es gibt einige Fehler, die möglichst nicht gemacht werden sollten.
Konstruktiv bleiben
Nach einer schlimmen Niederlage ist die Versuchung groß, die Spieler zu attackieren. Dabei muss sich ein Trainer aber immer vor Augen führen, dass er mit derselben Mannschaft auch das nächste Spiel bestreiten muss. Bei jeder Ansprache und bei jeder Maßnahme muss deswegen hinterfragt werden, ob damit die die Chancen im nächsten Spiel steigen. Wenn ein Trainer seine Spieler vorführt und lächerlich macht, vielleicht aus einer verständlichen Wut, trägt dies meist nicht dazu bei, dass die Spieler beim nächsten Mal besser sind.
Fehler analysieren, aber nicht ewig
Zu Beginn der Woche ist eine Fehleranalyse sinnvoll. Ob die Besprechung mit der gesamten Mannschaft oder mit einzelnen Spielern erfolgt, ist dabei nicht unbedingt wichtig. Entscheidend ist, dass die Fehler nachvollziehbar aufgezeigt werden und eine Lösung präsentiert wird. Es nutzt einem Spieler nichts, wenn der Trainer ihm nur erklärt, was er alles falsch macht. Der Trainer muss dem Spieler auch erklären, wie er die Fehler vermeidet.
Völlig ist unsinnig ist es, die ganze Woche nur über Fehler zu diskutieren. Diese Thematik sollte möglichst zeitnah nach dem Spiel abgehandelt werden. Ansonsten kann es passieren, dass das vielleicht schon angeknackste Selbstbewusstsein des einen oder anderen Spielers noch mehr leidet. Spätestens ab Mitte der Woche muss der Fokus auf der Vorbereitung des nächsten Spiels liegen. Dazu können natürlich auch praktische Übungen gehören, die sich aus der Fehleranalyse ergeben haben.
Den Spielern ein Alibi geben
Eine Niederlage hat immer Gründe. Doch wenn ein Trainer anfängt, den Schiedsrichter, den Platz, das Wetter, Verletzungspech oder höhere Gewalt dafür verantwortlich zu machen, bekommt er ein Problem. Die Spieler registrieren dies sehr genau. Fortan haben sie eine Entschuldigung für schlechte Leistungen.
Ein Trainer sollte seinen Spielern stets vermitteln, dass sie sich nur um den Teil des Spiels kümmern müssen, den sie beeinflussen können. Dazu gehören die oben genannten Gründe eben nicht. Doch es ist fatal, diese unbeeinflussbaren Faktoren zu entscheidenden Faktoren umzudeuten. Sicher kann es passieren, dass ein falscher Elfmeterpfiff zu einer Niederlage führt. Aber wäre es nicht die Aufgabe des Trainers, die Spieler darauf hinzuweisen, dass sie vorher schon das eine oder andere Tor hätten schießen können? Die Fokussierung auf die eigenen Einflussmöglichkeiten ist langfristig die beste Strategie.
Keine Beleidigungen
Es ist manchmal für einen Trainer schwer, nach einem sehr schwachen Spiel die Fassung zu bewahren. Dennoch dürfen persönliche Beleidigungen niemals stattfinden. Beleidigungen helfen niemandem weiter. Sie werden mit Recht als abwertend und demütigend empfunden. Es spricht überhaupt nichts dagegen, massive Kritik zu üben. Allerdings muss diese stets sachlich fundiert sein und den sportlichen Bereich betreffen. Dazu gehört auch das Verhalten des Spielers außerhalb des Platzes. Keinesfalls gehört aber eine Kritik am Charakter dazu. Wenn ein Spieler charakterlich nicht zu einem Team passt, muss er entlassen und nicht beleidigt werden. Der Trainer sollte aber immer den Menschen respektieren, auch wenn er den Spieler kritisiert.
Schlechte Leistungen schönreden
Wenn die Öffentlichkeit involviert ist, kann es manchmal sinnvoll sein, eine Mannschaft zu schützen. Dazu gehört es, nach außen die Kritik gering zu halten. Das ist aber dann zulässig, wenn intern Klartext geredet wird. Ein Trainer verliert schnell an Glaubwürdigkeit, wenn er offensichtlich schlechte Leistungen schönfärbt.
Alles in Frage stellen
Eine Niederlage ist kein Weltuntergang. Wenn ein Trainer nach einer einzigen Niederlage oder nach einer kurzen schlechten Phase die ganze Mannschaft in Frage stellt, sorgt das für Verunsicherung. Auch nach Niederlagen sollte ein Trainer ruhig und sachlich weiterarbeiten. Hektisch durchgeführte Notmaßnahmen nutzen nur selten. Sie sorgen meist nur dafür, dass die Mannschaft das Vertrauen in den Trainer verliert.
9. März 2011
Schon Sepp Herberger wusste: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“ Diese einfache Weisheit sollte jeder Trainer verinnerlichen. Alles was nach einem Spiel stattfindet, muss auf das nächste Spiel ausgerichtet werden. Das beginnt schon beim Auslaufen nach einer Partie. Dabei werden die Muskeln gelockert und die Regeneration wird befördert. Das ist eine gute Grundlage für das Training der folgenden Woche.
Die Nachbereitung eines Spiels ist bei Niederlagen meist aufwendiger als bei Siegen. Bei einem Sieg, der mit einer guten oder hervorragenden Leistung erzielt worden ist, kann eine zu detaillierte Fehleranalyse sogar negative Folgen haben. Manchmal ist es besser, das Selbstbewusstsein einer Mannschaft zu stärken, indem in einer kurzen Nachbesprechung vor allem die positiven Aspekte hervorgehoben werden. Im Laufe der Woche können Einzelgespräche folgen, bei denen auch kleine Fehler thematisiert werden.
Bei einer Niederlage, die durch eklatante Fehler zustande gekommen ist, sollte eine eingehende Fehleranalyse erfolgen. In einer ausführlichen Besprechung zeigt der Trainer auf, was schiefgelaufen ist und wie dies künftig vermieden werden kann. Individuelle Fehler können vor dem ganzen Team angesprochen werden, aber es ist manchmal besser, einen Spieler in einem Einzelgespräch ins Gebet zu nehmen. Besonders bei sensiblen Gemütern kann die Bloßstellung vor der Mannschaft sehr negative Folgen haben. Andererseits kann dies bei einem übermütigen und arroganten Spieler vielleicht genau die richtige Maßnahme sein. Der Trainer muss dies von Fall zu Fall entscheiden.
Da heute Videokameras sehr günstig sind, ist es eine Überlegung wert, hin und wieder ein Spiel aufzuzeichnen. Das ist mit wenig Aufwand möglich und auch die digitale Bearbeitung des Materials lässt sich mit geringen Kosten realisieren. Eine Videoanalyse ist für den Trainer ein sehr wirkungsvolles Instrument. Die Spieler sehen ihre Fehler und können sie nicht abstreiten. Wenn keine Aufzeichnung möglich oder gewünscht ist, kann ein Trainer sich während des Spiels oder nach der Partie Notizen machen. Die frischen Eindrücke können am nächsten Tag mit ein wenig Abstand ausgewertet werden.
Auch wenn die Auswertung eines Spieles zahlreiche Details umfasst, heißt das nicht, dass auch die Spieler mit all diesen Details konfrontiert werden müssen. Das kann leicht zu einer Überforderung führen. Die Analyse vor der Mannschaft oder mit einem einzelnen Spieler sollte sich deswegen auf die wesentlichen Aspekte beschränken. Dabei ist darauf zu achten, dass ein Fehler immer mit einer Lösungsmöglichkeit verbunden wird. Zunächst erklärt der Trainer, was schiefgelaufen ist und zeigt dann, wie es beim nächsten Mal besser klappen kann. Dabei können die Spieler einbezogen werden, indem sie selbst Vorschläge machen müssen. Die Aufmerksamkeit steigt, wenn die Spieler gezwungen sind, selbst nachzudenken. Allerdings sollte es bei der Nachbereitung nicht zu endlosen Diskussionen kommen.
Die Nachbereitung ist nicht mit der theoretischen Aufarbeitung beendet. In der Praxis müssen die Fehler abgestellt werden. Dazu sollte sich ein Trainer entsprechende Übungen einfallen lassen. Wenn sich z.B. die Stürmer bei Angriffen über die Außenpositionen schlecht bewegen, dann lässt sich dies leicht trainieren. Auf dem Platz können die Laufwege vorgegeben und in Übungen einstudiert werden. Dabei ist es wichtig, dass die Analyse, der Lösungsvorschlag und das Training eine Einheit bilden. Dann ist die Chance besonders groß, dass die Spieler das gewünschte Verhalten verinnerlichen.
Die Theorie vor dem Training sollte nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Danach lässt die Aufmerksamkeit der meisten Spieler deutlich nach. Deswegen kann es sinnvoll sein, die Nachbereitung auf zwei oder drei Termine aufzuteilen, wenn der Trainingsplan dies erlaubt. Sie kann auch verbunden werden mit der konkreten Vorbereitung auf das nächste Spiel. Im besten Fall gibt es einen fließenden Übergang. Am Anfang der Woche steht die Kritik im Vordergrund. Dann folgen die Übungseinheiten, in denen Lösungen erarbeitet werden und schließlich werden die Lösungen am Wochenende umgesetzt.
2. März 2011
Ein Fußballspiel wird nicht alleine in den 90 Minuten zwischen An- und Abpfiff gewonnen. Erst durch die Voraussetzungen, die während der Vorbereitung und im wöchentlichen Training geschaffen werden, wird eine Mannschaft erfolgreich. Dazu gehört insbesondere auch eine konzentrierte Vorbereitung auf jedes einzelne Spiel. Diese beginnt beim Abschlusstraining und sollte vom Trainer zu einem Ritual gemacht werden. Ein Ritual ist ein festgelegter Ablauf, der allen Beteiligten bekannt ist. Dadurch entstehen Sicherheit und Routine.
Die Vorbereitung könnte z.B. wie folgt laufen:
Abschlusstraining (2-3 Tage vor dem Spiel)
Im Abschlusstraining werden taktische Übungen gemacht, die im Spiel umgesetzt werden sollen. Die körperliche Belastung darf nicht zu hoch sein, damit am Spieltag die volle Leistungsfähigkeit zur Verfügung steht. Beim Trainingsspiel sollten die Spieler zusammen in einer Mannschaft sein, die auch am Wochenende in der ersten Elf sind. Zumindest sollten einzelne Mannschaftsteile gemeinsam agieren, also z.B. die Abwehrreihe oder das Mittelfeld.
Die Mannschaftsitzung nach dem Abschlusstraining
Es ist sinnvoll, eine ausführliche Mannschaftsitzung nicht vor dem Spiel, sondern nach dem letzten Training durchzuführen. Es gibt dann keinen Zeitdruck, so dass die anstehenden Themen ausführlich behandelt werden. Länger als eine Stunde sollte die Mannschaftsitzung allerdings nicht dauern. Im Fokus sollte das nächste Spiel stehen. Fehler aus dem vorherigen Spiel können kurz angesprochen werden, sollten nicht umfassend thematisiert werden.
Das wichtigste Hilfsmittel bei der Mannschaftsitzung ist eine Taktiktafel, die ausgiebig genutzt werden sollte. Die meisten Spieler verstehen viel besser, was der Trainer sagen möchte, wenn eine unmittelbare Anschauung gegeben ist. Am Ende der Mannschaftssitzung sollte jedem Spieler die Taktik im nächsten Spiel klar sein. Allerdings sollte die Aufstellung erst am Spieltag bekanntgegeben werden. Das hat für den Trainer den Vorteil, dass er im letzten Moment problemlos noch einen Wechsel vornehmen kann. Wenn die Mannschaft sehr groß ist, müssen allerdings die Spieler nominiert werden, die am Spieltag im Kader sind.
Der Abend vor dem Spiel
Das Wochenende ist nicht nur Fußballzeit. Viele Menschen gehen am Wochenende feiern und trinken dabei auch gerne Alkohol. Das ist legitim, aber für einen Fußballer nicht empfehlenswert. Ein Trainer sollte in der Lage sein, seinen Spielern zu vermitteln, dass genügend Schlaf und der Verzicht auf Alkohol die besten Voraussetzungen für eine gute Leistung sind. Ansonsten verkommt ein Team schnell zur Thekenmannschaft. Wenn keinerlei Ansprüche vorhanden sind, mag das in Ordnung sein. Doch in der Regel wollen aber auch die Mannschaften in unteren Ligen etwas erreichen.
Wann sollte die Mannschaft sich am Spieltag treffen?
Eine Mannschaft sollte spätestens 45 Minuten vor einem Spiel in der Kabine sein. Besser ist eine ganze Stunde. Das reicht aus, um eine Besprechung durchzuführen und ein Aufwärmtraining zu absolvieren. Viel länger sollte die unmittelbare Vorbereitung allerdings nicht dauern, da ansonsten die Konzentration verloren gehen könnte. Je nach Spielort muss noch die Anfahrt hinzugezählt werden, um den optimalen Zeitpunkt zu ermitteln.
Die Besprechung vor dem Spiel (60-45 Minuten vor dem Spiel)
Vor dem Spiel sollten die wesentlichen Themen der Mannschaftssitzung noch einmal angesprochen werden. In kurzen Stichpunkten werden die Spieler an das erinnert, was wenige Tage zuvor ausführlicher erörtert worden ist. Die Besprechung ist auch geeignet, um Spieler noch einmal an bestimmte Aufgaben zu erinnern. Länger als 15 Minuten sollte der Vortrag nicht dauern. Eine gut vorbereitete Taktiktafel erleichtert die Arbeit ungemein. In der Besprechung wird auch die Aufstellung bekanntgegeben.
Das Aufwärmtraining (45-30 Minuten vor dem Spiel)
Ein individuelles Aufwärmtraining ist nur dann sinnvoll, wenn die Spieler über die nötige Erfahrung und viel Verantwortungsgefühl verfügen. Besser ist es, das Aufwärmtraining gemeinsam zu absolvieren. Das mag bei den Spielern nicht zu Begeisterungsstürmen führen, aber wenn die Mannschaft beim Anpfiff nicht richtig aufgewärmt ist, hilft das auch niemandem.
Die letzten Minuten vor dem Spiel (5-10 Minuten vor dem Spiel)
Ein letzter Gang in die Kabine. Dort wird noch einmal die Ausrüstung kontrolliert, das Trikot angezogen. Der Trainer motiviert die Mannschaft noch einmal und sorgt dafür, dass alle Spieler wach sind. Es kann auch gerne etwas lauter werden. Dann geht die Mannschaft gemeinsam auf den Platz, wenn der Schiedsrichter das Zeichen gibt.