Wann? Was? Wie? – Das Abschlusstraining

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Dieser Beitrag ist in der fussballtraining-Ausgabe 4/2010 erschienen.

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von Didi Wedegärtner

Empfehlungen für das Training einen oder zwei Tage vor dem Spiel

„Wenn das heute mal nicht zu intensiv ist!“ Oder:
„Habe ich heute etwas zu lasch trainiert?“ Oder:
„War es richtig, so viele und so lange Torschussübungen
anzusetzen? Hätte ich nicht größeren Wert
auf die Defensive legen müssen?“
Haben Sie das auch schon manches Mal während
oder nach dem letzten Training vor dem Spiel gedacht?
Welche Kriterien sind bei Planung und
Durchführung zu beachten? Es ist wahrhaftig nicht
einfach, dabei das richtige Maß zu finden. Zudem
ist Abschlusstraining nicht gleich Abschlusstraining!
Denn wie trainiere ich, wenn es einen Tag vor
dem Spiel stattfindet, und wie, wenn es zwei Tage
vorher angesetzt ist? Oder ist das unerheblich?

Fußball Abschlusstraining

Klar: Wir beachten auch hier die Belastungsprinzipien
der Trainingslehre. Wir führen natürlich kein
inhaltliches Inselspringen durch, sondern wollen
nach einem Roten Faden vorgehen, der konditionelle,
technische und taktische Ziele verbindet.
Aber – um bei der Frage nach dem Maß zu bleiben
– maßgeblich ist doch jetzt der zeitliche Abstand
zum Spiel! Schließlich können sowohl zu hohe als
auch zu niedrige physische und mentale(!) Anforderungen
sich am Spieltag dann schnell zu einem
‘Eigentor’ entwickeln. Zumal die Unterschiede
manchmal nur klein, aber fein sind!
Dieser Beitrag liefert Ihnen für beide Fälle grundlegende
Informationen und Orientierungshilfen.

Ziele und Schwerpunkte des Abschlusstrainings

Sowohl hinsichtlich der Inhalte, der Gesamtdauer und der Belas –
tungsgestaltung der Trainingsformen haben wir unterschiedlich
große, aber variable Handlungsspielräume. Egal ob Sie zwei, drei,
vier oder fünf wöchentliche Einheiten absolvieren: Es ist die letzte
Gelegenheit, Ihre Spieler ‘auf dem Platz’ auf technischer, taktischer
und konditioneller Ebene optimal auf das Spiel vorzubereiten.
Die übergeordneten Schwerpunkte hätten wir also. Doch welche
sind das im Detail? Sollen wir in diese Einheit die Inhalte ‘rein –
packen, die im Verlauf der Woche noch nicht trainiert wurden? Ein
klassisches und uns allen vertrautes Beispiel sind Standardsitua –
tionen. Manchmal fällt uns ja sogar erst kurz vor Trainingsende ein,
dass wir die schon länger nicht mehr auf dem Programm hatten.
Nun findet das Abschlusstraining aber mal einen Tag, mal zwei Tage
vor dem Spiel statt. Spielt das keine Rolle, so dass wir an beiden Tagen
gleich trainieren können? Nein! Info 1 gibt einen Überblick, in
welchen Bereichen kleine, aber feine Unterschiede zu beachten
sind.

Welche Inhalte?

Genau genommen beinhaltet schon das Aufwärmen leichte konditionelle
Reize. Auch Technikübungen mittels einfacher Passfolgen
bringen wir dort unter, im Hauptteil dann etwa in Verbindung mit
komplexen Angriffskombinationen. Dort tauchen ja sowieso
abwehr- und/oder angriffstaktische Elemente auf – sei es in
Übungs- oder Spielformen. Den Schlussteil bildet meist eine Spielform,
die bestimmte konditionelle, technische und taktische Akzente
vereint. Insofern unterscheidet sich also das Abschlusstraining
eigentlich nicht vom klassischen Aufbau ‘normaler’ Einheiten.
Versuchen Sie aber nicht, noch auf den letzten Drücker Neues einzuüben!
Viel wichtiger ist es, erlernte Abläufe zu wiederholen und zu stabilisieren, um voller Selbstvertrauen ins Spiel gehen zu können.
Ausnahmen: Ein neuer Freistoßtrick kann noch mal einen zusätzlichen
Kick bewirken. Oder Sie bereiten die Spitze auf eine Schwäche
des gegnerischen Verteidigers vor.
Zwar sind die Unterschiede zwischen den beiden Tagen recht klein,
aber besonders fein: So ist es z. B. nicht sinnvoll, am Tag vor dem
Wettkampf noch Zweikampfübungen durchzuführen, was zwei
Tage vorher noch absolut angemessen ist.

Welche Belastungen?

Wir schulen ja die Ausdauer in der Wochenmitte, Schnelligkeit und
Schnellkraft am ‘Wochenende’. Hinsichtlich Umfang, Dauer und
Intensität aller anderen Übungen gilt es, einen bzw. zwei Tage vor
dem Spiel goldene Mittelwege finden.
Um die Spieler optimal auf die Anforderungen des Spiels vorzu –
bereiten, müssen wir sie ‘unter Strom’ halten. Also keine bzw. nur
kurze Pausen, dabei aber spielgemäß trainieren, indem wir Übungsformen
mit recht hohen Intensitäten einsetzen. Das Risiko: Wir können
sie überlasten, so dass sie sich nicht mehr rechtzeitig erholen.
Es ist zwar etwas geringer, wenn zwischen Training und Spiel zwei
Tage liegen. Dennoch benötigt der Organismus bis zu 72 Stunden,
um sich vollständig zu regenerieren. Es bedarf also viel Fingerspitzengefühls,
die jeweils optimalen Reize zu setzen. Prinzipiell wird
die Einheit am Tag vor dem Spiel kürzer gestaltet als die, die zwei
Tage davor stattfindet: Das Programm wird also etwas ‘gestaucht’.
Auf den nächsten Seiten stellen wir Ihnen Übersichten für beide
Varianten vor. Die Schwerpunkte und Inhalte einer Einheit können
Sie miteinander kombinieren. Ausführliche Beispiele samt Begründungen
finden Sie in den Dokumentationen kompletter Trainingswochen
in den Ausgaben 12/2008 (Warburg 08), 10/2009 (U19
Schalke 04), 12/2009 (RW Essen) und 3/2010 (1.FC Köln).

Fußball Abschlusstraining

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