Aufsteiger im Check: Fortuna Düsseldorf

Noch etwa einen Monat ist es hin, bis die Bundesliga in ihre 50. Spielzeit startet. In einer kleinen Serie prüfen wir in den kommenden Wochen darum die drei Aufsteiger auf Herz und Nieren. Teil eins: Fortuna Düsseldorf, Erstliga-Rückkehrer nach 15 Jahren in der Unterklassigkeit.

Thomas Bröker, Stürmer, wird nicht mehr für Fortuna Düsseldorf auflaufen. Er hat den Club gewechselt, aber nicht die Liga. Bröker wird auch in der kommenden Spielzeit in der zweithöchsten deutschen Spielklasse auflaufen, aus der die Fortuna gerade in der Relegation gegen Hertha BSC entkommen ist. Bröker wechselt zum Düsseldorfer Erzrivalen auf die andere Rheinseite, zum 1. FC Köln. Doch die Mannschaft von Norbert Meier wird auf noch mehr erfahrene und gute Kräfte verzichten müssen. Altstar Sascha Rösler lässt seine Karriere lieber bei Alemannia Aachen in der dritten Liga ausklingen, Jungstar Maximilian Beister geht zurück zu seinem Heimatverein Hamburger SV, und Innenverteidiger Assani Lukimya, letzte Saison ein Garant für die starke Defensive der Düsseldorfer, zieht es zu Werder Bremen.

Insgesamt acht zumeist wichtige Spieler haben die Fortuna verlassen, 16 neue sind dafür gekommen. Jeder von ihnen im Schnitt für gerade einmal 62.500 Euro, das heißt: Düsseldorf hat für 16 Neuzugänge zusammengenommen nur eine Million ausgegeben. Darunter befinden sich immerhin fünf, die dem Namen nach für Qualität bürgen: Stefan Reisinger (SC Freiburg), Du-Ri Cha (Celtic Glasgow, früher bereits Freiburg, Mainz und Frankfurt), Axel Bellinghausen (FC Augsburg), Nando Rafael (ebenfalls Augsburg) und Danny Schahin (kommt vom Mitaufsteiger Greuther Fürth).

Der Trainer muss sein taktisches Konzept durchbringen

Dennoch: Ob das reicht, um in der ersten Liga zu bestehen, ist fraglich. Aus den sehr begrenzten finanziellen Möglichkeiten des Vereins haben Trainer Meier und Manager Wolf Werner vielleicht noch das Beste gemacht. Allerdings muss man auch konstatieren, dass fußballerischen Möglichkeiten dieser Profis ebenfalls begrenzt sind, sonst hätten sie kaum dort gespielt, wo sie jüngst gespielt haben. Eine endgültige Aussage über die Qualität dieser Spieler ist das natürlich nicht, doch Zweifel müssen erlaubt sein.

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Denn es ist ja auch so: Selbst, wenn die spielerische Klasse einzelner Akteure für die Bundesliga ausreichend ist, muss Meier aus diesem Kader erst einmal eine Mannschaft bauen, die taktisch funktioniert. Zwar gilt für alle Clubs der Liga, dass die Vorbereitung noch längst nicht abgeschlossen und das jeweilige Team noch nicht wettkampfbereit ist. Und ein Testspiel gegen Panathinaikos Athen kann man wie die Düsseldorfer da schon mal mit 0:1 verlieren. Doch seit dem 0:2 gegen den Regionalligisten Wolfsburg II sind einige Zweifel an der Erstligatauglichkeit der Fortuna hinzugekommen. Die Pleite ereignete sich zwar mitten im Trainingslager der Düsseldorfer, zugegeben. Doch auch die Amateure des VfL Wolfsburg, deren Liga am ersten Augustwochenende startet, befanden sich damals noch in der tiefsten Vorbereitung.

Qualitätssprünge von unerwarteter Seite

Schon sprechen sie in Düsseldorf von der Zeit, die man benötige, um dem Kader den nötigen Schliff zu geben, und sie sprechen vorsorglich auch davon, dass es im Rahmen des Möglichen liege, „am Anfang der Saison viel Lehrgeld bezahlen“ zu müssen, wie Stürmer Nando Rafael jüngst der Süddeutschen Zeitung sagte. Dass die Fortuna Kandidat Nummer eins ist für den Wiederabstieg, weist Manager Werner jedoch weit von sich. Doch müssen bei einer solchen Kaderzusammensetzung die größten Qualitätssprünge gerade von jenen Spielern kommen, von denen man es nicht erwartet. Denn das Niveau in der ersten Liga ist ein komplett anderes, das mussten vergangene Saison auch die durchaus namhaften Teams von Hertha BSC (samt den sehr namhaften Trainern Babbel, Skibbe und Rehhagel) und vom 1. FC Köln erfahren.

Es ist sicher erfrischend, mit welchem Mut und welchem Risiko die Düsseldorfer das Unternehmen Bundesliga angehen. Doch wenn die Integration aller neuen Spieler nicht schnell voranschreitet und Trainer Meier dem Team dadurch keine stringente taktische Linie verordnen kann, könnte Nando Rafaels Aussage mit dem Lehrgeld schnell Wirklichkeit werden. Und dass der Anschluss an die Nichtabstiegsplätze mir nichts, dir nichts weg sein kann, ist ein Umstand, der gerade in Düsseldorf nicht eintreten darf. Doch möglicherweise gelingt es Meier ja auch schnell, ein funktionierendes Konzept zu finden. Nebenbei muss er jedoch mit einem weiteren Problem kämpfen, denn durch die 16 Neuzugänge und acht Abgänge ist der Kader nun ein gutes Stück zu groß. Hier muss der Trainer zeitnah entscheiden, wer noch gehen oder wer dauerhaft die zweite Mannschaft der Fortuna verstärken muss. Die spielt in der vierten Liga. Vor gerade einmal acht Jahren spielte dort noch die erste Düsseldorfer Mannschaft. Seither ging es sukzessive bergauf, und womöglich muss man den Fortunen doch mehr zutrauen, als es momentan den Anschein macht.

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