Scouting im Amateurfußball | Ziele und Vorgehen

Der Artikel Scouting im Amateurfußball gibt einen ersten Einblick, auf was es beim erfolgreichen Scouting von Amateurfußballern ankommt und beantwortet zugleich wichtige Fragen: Was sind die Ziele? Wer gilt als potentiell interessanter Spieler? Wie wird gescoutet?

Das Scouting von neuen Spielern ist bereits im Nachwuchs- und Amateurfußball in der konzeptionellen und strategischen Ausrichtung eines jeden Vereins und für jedes Teams von besonderer Wichtigkeit. Und so soll der folgende Beitrag dieses Arbeitsfeld näher beleuchten, Verständnis hierfür schaffen und mögliche Anregungen liefern. Augen auf und finden.

 

Das Kernziel beim Scouting von Amateurfußballern? 

Zunächst versteht man unter dem Scouting im Fußballkontext das Beobachten und Analysieren von Spielern, die nicht im eigenen Verein und für das eigene Team spielen. Das Ziel dieser Beobachtungen ist es, auf der einen Seite und im Wesentlichen Spieler zu finden, die durch ihre Leistungsfähigkeit das eigene Team und den eigenen Verein perspektivisch verstärken. Andererseits erhält man hierdurch gleichzeitig einen Überblick über die Leistungsfähigkeit anderer Teams und deren Spieler – beispielsweise von Mannschaften der eigenen Spielklasse.

Aus Spielersicht und für den einzelnen Spieler bietet das gezielte Scouting die Möglichkeit, sich positiv in Szene setzen zu können. Dadurch kann der talentierte, entwicklungs- und leistungsfähige Akteur direkt Aufmerksamkeit erzeugen und ein passendes Umfeld für seine eigene Entwicklung angeboten bekommen.

Fußball-Talent – wer und was?

Jeder Spieler verfügt unabhängig von seinem Leistungsniveau über ihm eigene Fähigkeiten. Im Vergleich zu anderen Spielern, anderen Teams ebenso wie dem eigenen Team gilt es bei der Suche nach Talenten festzustellen, welche Spieler besondere Eigenschaften besitzen, sich dadurch abheben und in auffälligem Maße leistungsfähig und bereichernd sind.

Diese Fähigkeiten können ganz unterschiedlicher Natur sein. Sie können im technischen Bereich liegen, beispielsweise in der Ballführung, im Dribbling oder im Torschuss. Ebenso kann sich ein Spieler durch eine besondere Physis auszeichnen – er ist sehr schnell, überdurchschnittlich ausdauernd oder kräftig und zweikampfpräsent. Auch im taktischen Bereich – Spielverständnis, Entscheidungsqualität – oder im Bereich der Persönlichkeit – mutiges Auftreten, ausgeprägte Widerstandsfähigkeit – können Talente und besondere Prägungen liegen. Idealerweise vereint ein talentierter und fähiger Spieler mehrere und viele der notwendigen Fähigkeiten in sich.

Aus Sicht des Trainers, des Scouts und der Verantwortlichen stellt sich die Frage: Welche Eigenschaften sind entscheidend und wonach genau wird gesucht, um über die talentierten und besseren Spieler zu einer Verbesserung des eigenen Niveaus zu gelangen. Wo liegt der eigene Bedarf für welche Art von Talent?

Vorgehen – wie wird gescoutet?

Um die Eigenschaften und das Talent eines Spielers zu erkennen, sind mehrfache Beobachtungen notwendig. Wettkämpfe – live vor Ort oder am Video – und Trainingseinheiten bieten sich somit für das Scouting an. Eine mehrmalige Beobachtung ist sinnvoll, um über die Häufigkeit einen detaillierten Eindruck von dem Spieler in seinen Verhaltensweisen zu bekommen, ihn in verschiedenen Situationen und im Umgang mit unterschiedlichen Herausforderungen zu erleben. Somit kann beispielsweise auch der Einfluss der Tagesform reduziert werden und ein übergeordnetes Bild entsteht.

Die persönliche Beobachtung vor Ort hat häufig den Vorteil, ein unmittelbareres Gefühl für den Spieler zu entwickeln als es am Bildschirm und am Video möglich ist. Emotionen, Körpersprache und der direkte Umgang mit Spielsituationen können hier gut erfasst werden, bleiben bei der Analyse am Video teilweise auf der Strecke. Das Video vermittelt hingegen eher einen distanzierteren Eindruck.

Die Beobachtung im Training ist durchaus lohnenswert, da der Spieler hier unter anderen Grundvoraussetzungen in Erscheinung tritt. Außerhalb des Wettkampfgedankens – es geht um den Sieg, um drei Punkte, um das erfolgreiche Präsentieren und Spielen – kann man jeden einzelnen Akteur in seinem gewohnten und in gewisser Weise sicherem Umfeld erleben. Wie sind Trainingseinstellung, Fleiß oder die Haltung gegenüber den Mitspielern in diesem Alltagskontext und außerhalb des Wochenendes? Interessante, andersartige oder zu mindestens sinnvoll ergänzende Informationen können so entstehen.

Vorgehen – welches Spielerprofil wird gesucht?

Das Finden des leistungsstarken und besten Spielers lässt sich offen oder von Beginn an fokussiert und gezielt betreiben. Im Rahmen der Kaderplanungen und der Analyse der Kaderstruktur kann das Ergebnis in einem ganz konkreten Positions- und Spielerprofil liegen. Beispielsweise könnte ein Außenstürmer für den linken Flügel gesucht werden, der Linksfuß ist, körperlich stark – sich durch hohes Tempo, Geradlinigkeit und Durchsetzungsfähigkeit über die Seite auszeichnet – und ebenso talentiert im Dribbling ist. Besteht ein solches Profil, wird gezielt nach passenden Spielern gesucht.

Eine andere Möglichkeit ist eher offen in der Sichtung mit auffälligen Spielern umzugehen und sie in ihrem Profil zu entdecken. So kann es die übergeordnete Idee sein, im Bereich der Außenstürmer-Position nach Verstärkungen suchen zu wollen – dabei sind die Vorstellungen aber weniger festgelegt. Oben benannter Spielertyp kann ebenso von Interesse sein wie ein eher nach innen orientierter, wendiger und kombinationsstarker Dribbler, der sich durch Handlungsschnelligkeit, Finesse und einen guten letzten Pass auszeichnet.

Grundsätzlich gilt es in beiden Fällen und generell im Scouting, die Natürlichkeit des Spielers zu entdecken. Frei von taktischen Vorgaben, Instruktionen und einem möglicherweise vorhandenen, mannschaftlichen Gebilde ist es wesentlich herauszufinden, was der einzelne Spieler von sich aus kann und macht, welche Situationen er sucht, in welchen Situationen er sich wohlfühlt und wo und durch welche Handlungen er erfolgreich ist. Erkennt man genau dies – losgelöst von Wünschen, eigenen Erwartungen oder einer Vorstellung der Kaderstruktur – so entdeckt man die ganz individuelle Identität des Spielers auf dem Feld. Und basierend hierauf finden alle weiteren Entwicklungen dieses Spielers statt, basierend hierauf wird jeder Spieler in Stress- und Wettkampfsituationen agieren. Das ist er.

Scouting-Dokumentation – Informationen festhalten

Im Rahmen einer Saison und durch die Menge an möglichen Beobachtungen entsteht eine Vielzahl an Informationen zu verschiedenen Teams und einzelnen Spielern. Um als Scout oder Trainer und auch innerhalb eines Scouting-Teams den Überblick über diese Informationen zu behalten und durch Objektivität und Nachvollziehbarkeit effektiv in der Zusammenarbeit zu sein, empfiehlt sich eine klare und gewissenhafte Dokumentation. Beobachtungsbögen und schriftliche Notizen ermöglichen eine fortlaufende und aufeinander aufbauende Scoutingarbeit.

Zu unterscheiden sind hierbei reine Dokumentationen – neutrale bzw. offene Informationen einzelner Scouts zu Spielern und Teams inklusive Empfehlungen und folgender Arbeitsschritte – und mehr oder minder strikte Bewertungsbögen. Diese listen in der Regel eine Vielzahl von Kriterien auf – beispielsweise im technischen Bereich – und schaffen über ein Notensystem die Möglichkeit der detaillierten Bewertung und Benotung des einzelnen Spielers. Abhängig von der jeweiligen Scoutingstrategie kann dadurch jedoch die Problematik entstehen, dass der einzelne Spieler wie mit einem Zeugnis in einem starren Konstrukt eingeordnet wird, dabei jedoch Gefühl und Intuition und individuelle Feinheiten und Besonderheiten weniger Raum zur Einordnung finden.

Bewährt und als Unterstützung sinnvoll sind, zusätzlich zu den eigenen Beobachtungen und Dokumentationen, Kontakte zu bekannten Scouts und Tippgebern. Je umfassender das sich entwickelnde Netzwerk ist, umso leichter und direkter können Informationen zu Teams und Spielern zusammengetragen werden. So hilft es beispielsweise, über einen Tippgeber von einem interessanten Spieler in einer unterklassigen Liga zu erfahren, der dann wiederum direkt beobachtet werden kann. Andernfalls wäre der Zufall notwendig oder das Beobachten einer Vielzahl von Spielen, um selbst zu diesem Spieler zu gelangen.

Spielbeobachtung Scouting

Spielbeobachtungsblätter Gegner

Scouting Strategie – am besten gemeinsam

Das Scouting ist, als Teil der Kaderplanung eines Teams und eines Vereins, ein Teamprozess. Mehrere Menschen sind hieran beteiligt; gleichzeitig ist es dabei von Vorteil, wenn verschiedene und bestimmte Personen – Trainer, Scout, Koordinator oder Manager – zu interessanten Spielern ein eigenes Bild haben. Hierdurch wird der jeweilige Spieler facettenreich wahrgenommen, Entscheidungen über eine Verpflichtung bzw. ein Wechselangebot können gemeinsam und orientiert an konkreten Informationen aller Beteiligten getroffen werden.

Im Rahmen der strategischen Ausrichtung betrifft eine wesentliche Frage des Scouting die individuelle Perspektive eines Spielers. Werden Spieler gesichtet und verpflichtet, die kurzfristig Erfolg versprechen und das Wettkampfniveau heben oder liegt der Fokus auf der Entwicklungsarbeit und der mittel- und langfristigen Ausschöpfung von Team- und Einzelspielerpotentialen. Diese Frage ist sowohl im Amateur- als auch beispielsweise im Jugendbereich interessant.

Liegt als Antwort auf diese Frage der Fokus eher in der Entwicklungsarbeit eines Spielers, sollte noch einmal betont werden, dass dabei die grundsätzliche Natur des Spielers nicht zu ändern ist bzw. geändert werden sollte. Durch gezielte Trainingsmaßnahmen und beispielsweise ein höheres Wettkampf- und Teamniveau lassen sich Anpassungen erzielen – immer basierend auf dem, was der Spieler in seinem Ursprung als Talent ist und mitbringt.

Der Spielerkader – der Blick auf das Gesamte

Diesem Gedanken folgend spielt bei der Planung und Ausrichtung des Scouting immer auch die Kaderstruktur im Gesamten eine wichtige Rolle, um über die Auswahl einzelner Spieler zu entscheiden. Welche Fertigkeiten bringen einzelne Spieler (bereits) in das Team ein, welche Stärken und natürliche Verhaltensweisen benötigt das Team noch bzw. benötigen einzelne Spieler zur Unterstützung und Umsetzung ihrer eigenen Fähigkeit. Eine Mannschaft – durch das Scouting gebildet und aufgestellt – kann harmonisch und facettenreich agieren, wenn in ihr und durch ihre Einzelspieler unterschiedliche Stärken, Merkmale und Charakterzüge verbunden werden.

So werden mutmaßlich ausschließlich geradlinige und körperlich orientierte Spieler für sich und als Team ebenso wenig ihr optimales Leistungsniveau erreichen wie nur kleine, ballorientierte Dribbel- und Ballkünstler. Sie alle benötigen einander und eine ausgewogene Aufstellung.

Gleichzeitig gilt es zu berücksichtigen, dass die besten Einzelspieler per se nicht das beste Team bilden müssen und das Scouting-Team im Gesamten dieser Herausforderung in Vorarbeit für den Saisonprozess und das Trainerteam gegenübersteht.

Kinder- und Jugend Fußballtraining

Kinder- und Jugendfußball – einfach besonders

Im Kinder- und Jugendfußball sind geschilderte Ansätze und Gedanken wiederum gesondert und mit Sorgfalt zu behandeln. Im Kindesalter ist eine Talentprognose aufgrund von ganz unterschiedlichen Entwicklungsprozessen äußerst schwierig und zumeist in der Form einer frühzeitigen Auswahl und Selektion nicht sinnvoll. Unterschiede in der körperlichen Entwicklung, die bis zum Ende des Jugendalters eine wesentliche Rolle für die Leistungsfähigkeit einzelner Spieler bedeuten, ebenso wie koordinativ oder kognitiv unterschiedlich verlaufende Prozesse, sollten dafür sorgen, dass mit großem Bewusstsein und mit Geduld der Entwicklung der jungen Menschen gefolgt wird.

Häufig ist es das Streben nach guten Ergebnissen und der angestrebte, kurzfristige Erfolg, der dazu führt, altersklassenorientierte Talente zu scouten und zu verpflichten. Hiermit sind Spieler gemeint, die beispielsweise in der D-Jugend aufgrund ihrer fortgeschrittenen, körperlichen Entwicklung für Gefahr und Überlegenheit sorgen, jedoch aufgrund von koordinativ-technischen oder auch kognitiven Nachteilen keine mittelfristige Perspektive auf diesem Leistungsniveau haben. Weder für die Mitspieler noch für diese Spieler selbst ist ein solches Vorgehen – den kurzfristigen Erfolg hier einmal ausgeklammert – unbedingt von Vorteil.

Das Scouting im Fußball ist umfangreich, spielt eine unmittelbare Rolle in der Aufstellung und Entwicklung von Mannschaften und kann und sollte daher aus Vereinssicht aktiv und verantwortungsbewusst betrieben werden. Viel Spaß und Erfolg bei allen ausstehenden Planungen und Entdeckungen und ein gutes Auge!

Im Absatz “Scouting-Dokumentation – Informationen festhalten” wurde im Besonderen auf eine klare und gewissenhafte Dokumentation im Rahmen eines erfolgreichen Scouting-Prozesses hingewiesen. Beobachtungsbögen und schriftliche Notizen sind dabei essenziell und die Basis für eine konstruktive Scoutingarbeit.

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