Fair Play – Fairness im Fußball

Fußball ist eine körperbetonte und intensive Sportart voller Zweikämpfe und schneller Aktionen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich die Spieler an das Regelwerk halten und Fair Play praktizieren. Schließich ist Fußball vom Grund her ein Spiel, dass der Unterhaltung, Freude und Sinnfindung aller dienen soll. Doch worin unterscheidet sich eigentlich der Fair-Play-Gedanke von der reinen Regeleinhaltung, wie kann dieser im eigenen gefördert werden und welche berühmten Fair Play Spielsituationen gab es im Profibereich?

Fair Play

Fair Play – Mehr als nur das Spiel nach Regeln

Das Fair Play basiert zunächst auf einer Anerkennung und Befolgung der Fußballregeln. Es werden demnach Handlungen vermieden, welche gegen das Regelwerk verstoßen. Darüber hinaus aber charakterisiert sich Fairness im Fußball über die Haltung der Spieler und den Umgang mit dem Gegner und Schiedsrichter.

Bezüglich der Haltung eine ausreichende Distanz zu den Ereignissen auf dem Platz gewahrt. Ein Sieg wird in der Folge nicht um jeden Preis erzwungen und Siege werden ebenso wie Niederlagen mit Haltung akzeptiert.

Die Gegner und Schiedsrichter werden wiederum respektvoll behandelt. Dabei besteht ein fairer und kooperativer Umgang, der Konflikte außerhalb des Spiels vermeidet, die Interessen des Gegners anerkennt sowie dem Gegner die gleichen Bedingungen einräumt.

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Fairness in der Praxis

Diese Grundeinstellung beim Fußball äußert sich sowohl in der verbalen als auch nonverbalen Kommunikation der Spieler.

Offensichtlich wird dies auf verbaler Ebene. So wird sich im Falle bestehender Fairness im Fußball offen und respektvoll mit dem Gegner und Schiedsrichter in angemessenem Ton ausgetauscht. Insbesondere der Amateurfußball bietet hier das große Potential eines kameradschaftlichen Umgangs.

Deutlich interessanter wird der Sachverhalt im Falle der nonverbalen Kommunikation. So unterbleiben im Falle von Fair Play provozierende Aktionen und Gesten. Klassisch wäre hier das Blockieren eines Freistoßes oder das übermäßig aktive Umherspringens des Torwarts vor einem Elfmeter. Zudem werden abfällige Gesten vermieden, wie sie häufig den Schiedsrichtern gegenüber getätigt werden. Hierzu gesellt sich auch das Anzeigen des Einwurf-, Abstoß- oder Eckenrechts im Fußball, welches sowohl bei den Amateuren als auch bei den Profis häufig grundsätzlich und unabhängig vom eigentlichen Spielverlauf von vielen Spielern getätigt wird.

Fair Play und Fairness im Jugendfußball

Fair Play und Fairness sind insbesondere im Jugendbereich wichtige Themenfelder, welche unbedingt berücksichtigt und gefördert werden sollten. Damit eine solche Förderung gelingen kann, ist es wichtig zu wissen, welche theoretischen Grundlagen hier eigentlich von Bedeutung sind und welche praktischen Tipps bei der Umsetzung helfen.

Zudem ist es auch wichtig zu verstehen, dass es sich bei der Vermittlung des Fairnessgedankens um ein Gemeinschaftsprojekt handelt, bei dem Eltern, Schule und nicht zuletzt auch der Verein gemeinsam wirksam werden.

Vorbilder für Kinder im Fußball

Kinder lernen das Spiel- und Sozialverhalten unter anderem von Vorbildern.
Naturgemäß finden Kinder und Jugendliche Vorbilder besonders häufig im Sport. Das so genannte „Lernen am Modell“ nach Albrecht Bandura beschreibt diesen Vorgang genau. So beginnt der Lernvorgang mit einer Aneignungsphase. Der junge Fußballer sieht in diesem Fall älteren oder erwachsenen Spielern aus dem Amateurbereich oder häufig Profifußball zu und fängt an, sich mit diesen zu identifizieren und eine positive emotionale Bindung aufzubauen. Dabei wird sich nicht nur auf den Spieler, sondern auch auf dessen Aktionen auf und neben dem Platz konzentriert.

Dem schließt sich die Ausführungsphase an. So erproben Kinder und Jugendliche im Anschluss das Verhalten im eigenen Spiel und erfährt dabei eine positive und negative Rückmeldung.

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In der Praxis bedeutet dies, dass das Fair Play im Jugendbereich einerseits über die Bereitstellung entsprechender Vorbilder erreicht werden kann. Eben hier hat jeder Amateurtrainer im Jugendbereich, dem Fairness ein wichtiges Anliegen ist, ein Problem. So hat er keinen Einfluss darauf, dass im Profifußball abfällige Gesten, Schwalben oder verbale Ausrutscher an der Tagesordnung stehen. Hierauf lässt sich auf zweierleiweise reagieren. Zum einen kann das fehlende Fair Play von Profispielern thematisiert werden, sobald junge Spieler im Fußball damit beginnen, dieses Nachzuahmen. Andererseits kann aber auch darauf geachtet werden, dass die eigene erste Mannschaft entsprechend auftritt und die Spieler damit Vorbilder aus dem eigenen Umfeld haben, die sich dem Gedanken der Fairness verpflichtet sehen.
Fair Play
Andererseits sollte den Jugendlichen aber auch ein unmittelbares Feedback bezüglich ihres Verhaltens gewährt werden. So finden die jungen Spieler Orientierung und können Lernen, dass die alleinige Einhaltung des Regelwerks noch nicht den Sportgedanken ganzheitlich umfasst.

Tipps zur Förderung des Fair Plays im Jugendfußball

Neben der Beeinflussung der Auswahl passender Vorbilder können Trainer von Kindern und Jugendlichen im Fußball aber auch konkrete Maßnahmen ergreifen, damit Fairness auf dem Platz gelebt wird. Hierzu empfiehlt der DFB eine Reihe von Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können und effektiv wirken.

So schlägt der DFB zum einen vor, dass sich die Zuschauer und damit vor allem Eltern mindestens 15 Meter vom Spielfeld entfernt aufhalten sollen. In der Folge sind die jungen Fußballer von der teils überzogenen Erwartungshaltung der Eltern geschützt und die Zuschauer haben nicht mehr die Möglichkeit, ständig den Spielfluss durch Kommentare und Anweisungen zu unterbrechen. Stattdessen können sich die Kinder selbst auf dem Feld erproben und stehen unter weniger Leistungsdruck.

Des Weiteren sollten die Trainer das deutliche Signal senden, dass sich hier Freunde des Sports und nicht Gegner in einer Liga auf dem Feld treffen. Dies kann etwa erreicht werden, indem sich vor dem Spiel herzlich begrüßt wird und beide Trainer als Trainerteam und nebeneinander das Spielgeschehen verfolgen. Mögliche Verstöße gegen die Fairness auf dem Platz können dann gemeinsam angesprochen und unterbunden werden.
Letztlich ist es bei den Kleinen auch noch interessant, auf einen Schiedsrichter zu verzichten und nur als Trainer einzuschreiten, sobald eine Situation nicht durch die Spieler selbst gelöst werden kann. Dabei ist es wichtig den Spielern zu vermitteln, wie Streitsituationen im Gespräch und respektvoll gelöst werden können.

Die Thematisierung von Fairness

Die bisher genannten Maßnahmen, um Spielern Fair Play zu vermitteln, laufen unterschwellig ab. Dies bedeutet, dass die Spieler im Fußball häufig nicht einmal merken, dass gerade im Bereich Fairness gearbeitet wird.

Darüber hinaus ist es jedoch möglich, Fair Play und Fairness im Fußball explizit zu thematisieren. Bei älteren Spielern ab etwa 16 bis 18 Jahren kann das bereits relativ abstrakt erfolgen, da viele der Spieler bereits eine Moralstufe erreicht haben dürften, welche ein Verständnis für diesen Sachverhalt erlaubt. Daneben ist es aber sowohl bei jüngeren als auch älteren Spielern möglich, das Thema anderweitig zu reflektieren. Im Falle des Kindertrainings eignen sich hierzu Rollenspiele. So kann ein Kind oder Jugendlicher beispielsweise die Rolle des Schiedsrichters einnehmen und etwa in einem Interview beschreiben, wie er das Spiel wahrgenommen hat und was ihn gestört hat. Ebenso kann der Standpunkt des Gegners während eines Spiels oder in bestimmten Situationen eingenommen werden. All dies trägt dazu bei, die Fähigkeit der Perspektivenübernahme und Empathie zu schulen, was letztlich die Voraussetzung für Fair Play ist.

Berühmte Szenen des Fair Plays

Der Fußball hat bereits unzählige skurrile und unterhaltsame Geschichten hervorgebracht. Hierzu gehören auch Spielsituationen, in welchen sich die Spieler bemerkenswert fair verhalten und den eigenen Sieg nicht als das höchste Ziel angesehen haben.

So gibt es zum einen unzählige Szenen im Profibereich, in denen Spieler auf Frei- oder Strafstöße verzichtet haben, weil diese nicht gerechtfertigt waren. Umso ehrenwerter erscheint dieses Verhalten, sobald es in Spielsituationen auftrat, in welchen das Spiel noch nicht entschieden war. Ein Beispiel hierfür ist das Verhalten von Miroslav Klose 2012 bei einem Spiel zwischen Lazio Rom und SSC Neapel. So wird Rom ein Tor durch Klose zuerkannt, welches Klose allerdings unter Zuhilfenahme der Hand erzielt hatte. Klose klärt die Schiedsrichter jedoch im Anschluss an die Szene über die Hinzunahme der Hand auf und das Tor wird bei einem Spielstand von 0:0 aberkannt.

Gesten reinen Fair Plays beschränken sich aber nicht nur auf einzelne Spieler, sondern teils auch auf gesamte Mannschaften. So schoss der damalige Spieler Jan Vertonghen 2006 etwa versehentlich ein Tor, nachdem er den Ball eigentlich nur zum gegnerischen Torhüter nach einer Spielunterbrechung spielen wollte. Im Anschluss griff Ajax den Gegner Cambuur nach dem Anpfiff nicht an und ermöglichte so einen Torerfolg, so dass der vorherige Torabstand wiederhergestellt war.

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Dass beim Fair Play zudem auch von der Trainerbank vorgelebt werden kann, zeigt das Beispiel von Arsene Wenger, dem ewigen Trainer von Arsenal London. So stand es in einem Pokalspiel 1:1 und ein eigener Spieler leitete den Siegtreffer kurz vor Ende der Partie ein. Prekär war der Sachverhalt allerdings, weil das Fair Play eigentlich einen Pass zum Gegner gefordert hätte, nachdem dieser den Ball aus Gründen der Fairness absichtlich ins Aus geschossen hatte. Sheffield United verlor anschließend das Spiel. Arsene Wenger wollte sich mit diesem Missverhalten nicht abfinden und bestand auf eine Wiederholung der Partie.

Neben diesen positiven Beispielen gelebter Fairness existieren natürlich noch unzählige Negativbeispiele, bei welchen alle Mittel eingesetzt wurden, um den Sieg zu erringen.

Fair Play im Fußball

Fairness im Fußball ist damit eine Grunddimension des Spiels, welche sowohl im Amateur-als auch Profibereich fester Bestandteil des Spielerverhaltens sein sollte. Denn nur so wird Fußball dem Anspruch des Sports gerecht, nicht nur durch ein Regelwerk, sondern durch die respektvolle Grundhaltung aller Spieler ermöglicht zu werden.

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