SpoWi-Ecke: Führungsspieler und deren Einfluss

Joachim Löw sorgt mit seinem Führungsstil bei der Nationalmannschaft immer wieder für kontroverse Diskussionen, insbesondere nach Niederlagen oder wann immer der kritische Beobachter schimpfen möchten.

Insbesondere der Umgang mit der flachen Hierarchie und Führungsspielern wird von vielen Haudegen, erfahrenen Spielern und Experten hinterfragt, da doch nur eine klare Struktur mit Leitwölfen für Ordnung und Erfolg sorgen kann. Diese Einstellung hinterfragte Hans-Dieter Tippenhauer mit einer Dissertation, die in den kommenden Zeilen kurz dargestellt wird.

Trainer als Wissenschaftlicher

Der ehemalige Bundesliga-Trainer Hans-Dieter Tippenhauer, der Ende der 70er mit Fortuna Düsseldorf den DFB-Pokal gewann und 1979 im Finale des Europapokals der Pokalsieger stand, hat diese Untersuchung 2010 im Bereich Sportpsychologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster durchgeführt.

Für seine Doktorarbeit führte der heutige Geschäftsführer einer Werbeagentur Gespräche mit Profis vom 1. FC Köln, Alemannia Aachen, Borussia Dortmund, Arminia Bielefeld und Werder Bremen. Mit Hilfe eines Fragebogens wurde diese Untersuchung namens „Der wahrgenommene Einfluss von Führungsspielern in der Fußball-Bundesliga“ also mit Hilfe von Spielern, Trainern, Sportdirektoren und Journalisten durchgeführt.

Ergebnisse

Laut Tippenhauers Untersuchung werden jene Fußballer als Führungsspieler bezeichnet, die generell über Einfluss auf den Trainer, die Mitspieler und die Medien verfügen. Dass man sich diesen Einfluss auf dem Platz durch klassische Leitwolfaktionen wie grätschen, kommandieren und brüllen verschafft, scheint veraltet. Genauer kam der ehemalige Trainer zu dem Schluss, dass jedes Team nicht einen, sondern etwa drei bis vier Führungsspieler in seinen Reihen aufweist, die gemeinsam mit dem Coach die sportliche Leitung übernehmen.

Der Einfluss dieser „Leader“-Gruppe ist demnach sehr umfangreich, denn die von ihnen geäußerten Einschätzungen, Meinungen und Ansichten können die Mitspieler, die Struktur der Mannschaft und insbesondere die Stellung des Trainers enorm beeinflussen.

Dieser ist also in gewisser Weise abhängig von seinen Anführern, da sie das Bild und die Stellung des Trainers innerhalb der Mannschaft, im gesamten Verein und der restlichen Öffentlichkeit in erheblichem Umfang mitprägen.
Als wichtiges Mittel, um diese Rollen auszufüllen, werden die Medien genannt, die den Arbeitsalltag von Trainern erleichtern oder erschweren können. Laut Tippenhauer gehört nebenbei übrigens die Weitergabe von Interna an die Medienvertreter zum Alltag.

Fazit

Schlüsselspieler, die sogenannten Führungsspieler, haben großen Einfluss auf das Team, den Zusammenhalt, die Akzeptanz des Trainers usw. Diese recht offensichtliche Tatsache konnte von Tippenhauer durch einen Fragebogen mit hochkarätigen Experten bestätigt werden. Für den Trainer bedeutet dieses wissenschaftlich fundierte Wissen ein Warn- oder Aufmerksamkeitssignal.

Eine gute Zusammenarbeit mit der Mannschaft basiert idealerweise auf einem gegenseitig von Achtung geprägten Umgang. Faires und respektvolles Benehmen sollte jedoch nicht anbiedernd wirken, um sich die Gunst der vermeintlichen Führungsspieler zu sichern, sondern Grundtenor für die tägliche Arbeit darstellen.

Aus persönlicher Sicht ist ratsam diese anständigen Umgangsformen, die nichtsdestotrotz auch mit Strenge und Durchsetzungsvermögen kombiniert werden können, mit dem gesamten Team anzustreben und nicht nur im Kreis der Leitwölfe.

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