Mentale Stärke: Spiele werden häufig im Kopf entschieden

Der Erfolg eines Menschen, in welchem Bereich auch immer, hängt nicht nur von seinen physischen Fähigkeiten oder theoretischen Kenntnissen ab, sondern ist zu einem sehr großen Teil auch auf seine mentale Stärke zurückzuführen. Gerade im Sport werden Siege meist durch den Kopf entschieden. Beispielsweise könnte es sein, dass ein Fußballspieler mit unglaublichem Talent gesegnet ist, unglaublich schnelle Beine und viel Ausdauer hat sowie über eine exzellente Technik verfügt und dennoch den Sprung in eine erstklassige Fußballmannschaft nicht schafft. Da es am Talent und an den physischen Fähigkeiten nicht mangelt, müssen die mentalen Fähigkeiten der Grund dafür sein, dass der Spieler sein Ziel nicht erreicht.

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Wie kann ein Trainer Einfluss auf die mentale Stärke seiner Spieler nehmen?

Der Trainer einer Fußballmannschaft hat nicht nur die Möglichkeit, durch das Herauskitzeln guter Trainingsleistungen Einfluss auf die mentale Stärke seiner Spieler zu nehmen. In immer mehr Vereinen gehört inzwischen ein Mentaltrainer zum Trainerteam. Er hat die vorrangige Aufgabe, den Cheftrainer zu unterstützen und die einzelnen Spieler durch spezielle Übungen mental so zu stärken, dass diese auch unter Druck ihre höchste Leistung erbringen und mit Niederlagen oder anderen negativen Vorkommnissen (z. B. schwere Verletzungen) umgehen können. Da der Trainer allerdings den engsten Kontakt zu den Spielern hat und sie am besten kennt, liegt es nicht zuletzt in seiner Verantwortung, schnell zu reagieren, wenn er mentale Unzulänglichkeiten bei einem Spieler bemerkt. Zunächst wird er versuchen, in einem persönlichen Gespräch zu ergründen, warum der Spieler mental schlechter aufgestellt ist, als sonst. Die gemeinsame Analyse des Ist-Zustandes trägt nicht selten bereits dazu bei, die Situation zu verbessern und etwaige Blockaden beim Spieler zu lösen. Gelingt es dem Trainer hingegen nicht, das Problem selbst zu lösen, wird er sich mit dem Mentaltrainer in Verbindung setzen und ihn bitten, sich des Spielers anzunehmen.

Welche Maßnahmen sind zu welchem Zeitpunkt sinnvoll?

Machen sich bei Spielern mentale Unzulänglichkeiten bemerkbar und mindern die Leistungsfähigkeit nachhaltig, so hat der Trainer verschiedene Möglichkeiten (z. B. durch persönliche Gespräche mit unterschiedlichen Inhalten), Einfluss auf die Spieler zu nehmen. Möglich sind sowohl Einzelgespräche, aber auch Gruppengespräche können hilfreich sein, wenn es die Situation zulässt. Thematisch kann er einerseits aus Sicht des eigenen Spielers denken und dessen Stärken hervorheben oder aber den Gegner in den Mittelpunkt stellen und mit dessen Stärken arbeiten. Grundsätzlich gibt es verschiedene Methoden, die beim Mentaltraining genutzt werden können:

  • Autosuggestion
  • Visualisierung (Üben einer Situation, bevor sie eintritt)
  • Meditation (Die urteilsfreie Wahrnehmung)
  • Intuition (Hineinfühlen in eine Situation)
  • Zielsetzung (Erreichen eines Zieles in Gedanken)

Zudem können Atemübungen hilfreich sein, um Zustände der Anspannung oder Angst deutlich zu reduzieren. Das bewusste und ruhige Atmen versetzt den Menschen in einen entspannten und gelassenen Zustand zurück.

Mit den Stärken des Spielers arbeiten

Gerade bei Menschen, deren Beruf sportliche Höchstleistungen sind, machen sich immer wieder und meist schnell Selbstzweifel bemerkbar. Vor allem bei Niederlagen werden schnell die eigenen Fähigkeiten und Stärken in Frage gestellt. Hier kann der Trainer gegenlenken, indem er dem Spieler vor Augen führt, dass gerade seine Stärken der Mannschaft helfen, erfolgreich zu sein und dass diese ihn braucht, um auch weiterhin ihre Spiele zu gewinnen. Ziel sollte es sein, den Spieler zu einem positiven Denken zu animieren und zu der Erkenntnis zu bringen, dass es zwar Niederlagen geben mag, diese aber die Ausnahme sein müssen. Eine ganz pragmatische Methode, dem Spieler die eigenen Stärken immer wieder in Erinnerung zu rufen ist es, ihm aufzutragen, eine Liste mit seinen Stärken zu erstellen und sie sich regelmäßig anzuschauen (bspw. vor dem Training, vor dem Spiel, während der Halbzeitpause).



Den Spieler durch die gegnerischen Stärken motivieren

Viele Spieler sind von Gegnern beeindruckt und zweifeln daran, dass ihre eigene Leistung genügt, um die Stärken des gegnerischen Spielers auszuschalten. Auch dies ist ein Ansatzpunkt, mit dem der Trainer seinen Spieler positiv beeinflussen kann. Denn durch das Aufzeigen von gegnerischen Stärken werden dem Spieler seine eigenen Stärken und Qualitäten bewusst. Ziel ist es nicht, sich mit dem Gegner zu vergleichen, sondern zu erkennen, was man selbst leisten kann. Diese Methode kann vor einem wichtigen Spiel sinnvoll sein.

Einzelgespräche

Da mentale Schwächen oft mit der persönlichen Situation eines Spielers zusammenhängen, sollte der Trainer in der Regel ein Gespräch unter vier Augen mit seinem Spieler führen. In einer solchen Atmosphäre wird der Spieler eher bereit sein, über eventuelle persönliche Probleme zu sprechen. Entscheidend ist auch der Anlass für ein solches Gespräch. Natürlich ist ein solches Gespräch vor allem nach negativen Ereignissen wie einer schweren Verletzung, einem verlorenen Spiel, einem schwerwiegenden oder sogar spielentscheidenden Fehler eines Spielers und der daraus resultierenden Unsicherheit angebracht. Der Trainer kann ein Gespräch aber auch führen, ohne dass ein negatives Ereignis zugrunde liegt. Einen bestimmten Zeitpunkt für solch ein Gespräch gibt es nicht. Das Ziel ist es dann, den jeweiligen Spieler weiter zu motivieren, die erwarteten Höchstleistungen im Training und im Spiel zu erbringen.

Gruppengespräche

Vor allem nach Niederlagen kann der Trainer auch zu einem Gruppengespräch einladen, dessen Ziel nicht vorrangig die Analyse von Fehlern ist, sondern vor allem die Motivation der Spieler. Natürlich sollte während des Gespräches Zeit sein, sich den Frust von der Spielerseele zu reden. Vorrangig muss es dem Trainer aber darum gehen, der Mannschaft deutlich zu machen, dass sie auch nach der erlittenen Niederlage keinen Grund haben, grundsätzlich an den eigenen Fähigkeiten und der Mannschaftsleistung zu zweifeln. Fehler gehören zu jedem Fußballmatch dazu und müssen als eine Realität des Spieleralltags akzeptiert werden.

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Wie kann ein Training gestaltet sein, um die mentale Stärke zu fördern?

Es gibt verschiedene Methoden, während des Mannschaftstrainings nicht nur die physische Konstitution der Spieler zu stärken, sondern auch die mentalen Fähigkeiten. Zunächst einmal ist es hilfreich, wenn die Spieler auch im Training fleißig und engagiert üben und ihre Stärken weiter ausbauen. Zudem sollte jeder Spieler auch im Training positiv denken. Der Trainer sollte seine Spieler außerdem dazu animieren, sich bei guten Aktionen gegenseitig zu loben und anzufeuern. Auch eine selbstbewusste Körperhaltung während der Trainingseinheiten ist wichtig für die mentale Verfassung. Vor allem aber sollte der Trainer seine Spieler bei jedem Training dazu auffordern, mit Herz und Freude dabei zu sein. Es gibt neben diesen Methoden aber auch ganz spezielle Trainingseinheiten, die dabei helfen können, die mentale Stärke eines Spielers zu fördern.

Abschlusstraining der Stürmer und Ersatztorhüter mit Torschuss-Übung
mentale-staerke
Was hilft einem Stürmer mehr, sich zu motivieren und für ein Spiel in Stimmung zu bringen, als ein Training, in dem er möglichst oft auf das Tor schießen darf. Der Trainer kann seinen Stürmern sowie dem Ersatz-Torwart ein Torschuss-Training verordnen. In diesem Fall sollte der Ersatz-Torhüter herangezogen werden, da viele Tore des Stürmers für die mentale Verfassung des ersten Torwarts nicht förderlich wären. Der Stürmer wird sein Selbstbewusstsein verbessern und mental stärker werden, da er sich im Abschlusstraining noch einmal von seinen Qualitäten als Stürmer und Torjäger überzeugen kann.

Abschlusstraining der Torhüter und Abwehrspieler mit Torschüssen

Nicht nur Stürmer sind auf mentale Stärke angewiesen, sondern vor allem auch die Torhüter. Deshalb ist es sinnvoll, im Abschlusstraining vor einem wichtigen Spiel auch den Schlussmännern der Mannschaft zu ermöglichen, ihre Qualitäten noch einmal unter Beweis zu stellen. Dies kann der Trainer dadurch erreichen, dass er die Torhüter gegen die Abwehrspieler seiner Mannschaft antreten lässt. Sinn dieser Einheit ist es, dass der Torwart möglichst viele Bälle, die auf sein Tor geschossen werden, hält und auf diese Weise an mentaler Stärke und Selbstbewusstsein gewinnt.

Abschlussmatch der Vorbereitungsphase gegen einen schwachen Gegner

Vor einem großen Turnier absolviert eine Mannschaft als Vorbereitung nicht nur eine Zeit mit intensivem Training, sondern auch verschiedene Vorbereitungsspiele gegen andere Mannschaften. Um die mentale Stärke seiner Spieler zu fördern, kann der Trainer seine Mannschaft in einem letzten Spiel gegen einen vermeintlich schwachen Gegner antreten lassen. Bei einem solchen Gegner fällt es der Mannschaft in der Regel leicht, alle ihre Fähigkeiten und Stärken noch einmal unter den Bedingungen eines offiziellen Matches zu erproben und auszuspielen. Die Idee hinter einem solchen Spiel ist also nicht in erster Linie das Trainieren von Spielzügen, sondern vor allem der Aufbau von Selbstbewusstsein. Geht ein solches Spiel allerdings unerwartet verloren, kann sich dies auch sehr negativ auf die mentale Stärke der Mannschaft auswirken.

Teamgeist fördern und Gruppengefühl verbessern

In einem Mannschaftssport wie dem Fußball kommt es nicht auf einzelne Spieler an, sondern auf die Leistung der gesamten Mannschaft. Nur im Zusammenspiel aller Akteure kann eine Fußballmannschaft all ihre Stärken zeigen und eine gute Leistung abliefern. Deshalb gilt auch im Fußball das Motto „Zusammen schafft man alles!“. Der Trainer hat also auch die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Spieler zu einer echten Mannschaft zusammenwachsen, die geprägt ist von einem echten Gruppengefühl und die angetrieben wird vom Teamgeist. Dies kann er unter anderem dadurch erreichen, dass er im Training eine Atmosphäre schafft, in der die Spieler offen und respektvoll miteinander umgehen, ihre Meinung äußern und negative Dinge ehrlich ansprechen. Auf diese Weise kann gegenseitiges Vertrauen wachsen, das sich auf dem Spielfeld in Form einer besseren Mannschaftsleistung zeigen wird.

Beispiele für weitere Maßnahmen

Neben einer entspannten Atmosphäre während des Trainings-Alltags können auch private Unternehmungen in der Gruppe sehr hilfreich sein, einzelne Personen zu einer Gruppe zu machen. Wenn eine Gruppe unterschiedlichster Personen mit jeweils eigenen Biografien, Charaktereigenschaften und Interessen über eine lange Zeit beruflich eng miteinander verbunden ist, bilden sich ganz automatisch Kleingruppen. Hier kann es für den Trainer eine echte Herausforderung sein, diese Kleingruppen immer wieder in die Großgruppe zu integrieren und die Einzelpersonen zu einer einzigen Mannschaft zusammenzufügen.

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Fazit

Die Aufgabe des Trainers, die mentale Stärke seiner Spieler zu fördern, erfordert viel Fingerspitzengefühl. Gerade im Hochleistungssport sind Athleten besonders sensibel und benötigen bei negativen Ereignissen wie Verletzungen oder Niederlagen besonders viel Seelen-Hygiene. Der Trainer muss sich also nicht nur um eine hervorragende, körperliche Verfassung seine Spieler kümmern, sondern auch um einen guten Zustand der Spieler-Seele. Denn ein Spiel wird häufig im Kopf entschieden und nur ein mental starker Spieler kann Höchstleistungen erbringen.

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