Die Bananenflanke – König unter den Flanken

Die Bananenflanke: Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, jedes Kind hat einen Fußball zu Hause und jeder Erwachsene hat in seinem Leben auch schon einmal gegen einen Ball getreten. Der Fußball ist aus unserem Alltag und modernen Leben nicht mehr wegzudenken. Und doch gibt es einige Komponenten des Spiels, die immer wieder für Aufsehen sorgen und das Herz des Zuschauers höher schlagen lassen, wenn man sie zu Gesicht bekommt und live miterleben darf. Dabei ist es ganz egal, ob man in einer modernen Arena bequem auf der Haupttribüne sitzt, oder auf einem Sportplatz der Provinz an der Stange steht und seinem geliebten Dorfverein zujubelt.

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Dazu gehört auch die sogenannte Bananenflanke, bei der es sich um eine technisch und in der Ausführung sehr anspruchsvolle, in ihrer Wirkung aber höchst effektive und torgefährliche Art einer Flanke handelt. Diese Art der Flanke wird im folgenden Artikel genauer beleuchtet, erklärt und mit vielen interessanten und überraschenden Details versehen und für jeden verständlich ausgeführt.

Was wird als Bananenflanke bezeichnet?

Eine Flanke, die, wie ein Fußballer sagt, stark angeschnitten ist und in ihrer Flugbahn einen Bogen beschreibt, der in seiner Form an eine Banane erinnert, wird mittlerweile alltäglich als sogenannte Bananenflanke bezeichnet. Dieser Name kommt wie beschrieben daher, dass diese Flanke an die Krümmung einer Banane erinnert, die dieser Frucht als charakteristisches Merkmal anhaftet. Die Bananenflanke ist technisch sehr anspruchsvoll und wer diese Art der Flanke einsetzen möchte, der benötigt dafür ein feines Gefühl im Fuß und eine exzellente Antizipation bei der Ballberührung. Weil sie nicht jeder Fußballer beherrscht, ist diese Flanke so einzigartig und für den Betrachter schön anzuschauen.
Bananenflanke

Wo liegt der Unterschied zur „normalen“ Flanke?

Der Unterschied zu einer gewöhnlichen Flanke besteht in der Flugbahn des Balles, der wie schon beschrieben einen Bogen als Bahn fliegt und somit für einen Abwehrspieler oder Torhüter nur sehr schwer zu berechnen und kalkulieren ist. Da die Bananenflanke also eine starke Krümmung macht, ist es mit ihrer Hilfe möglich, verteidigende Spieler zu umspielen und den Fußball um sie herumzuzirkeln, so dass sie keine Chance haben den Ball zu klären bevor sie den Stürmer erreicht und verwertet werden kann. Die Bananenflanke ändert also ihre Richtung und kann so im Vergleich zu einer normalen Flanke nur schwer oder gar nicht vom Verteidiger antizipiert werden, wohingegen der Fußball bei einer herkömmlichen Flanke immer in die gleiche Richtung fliegt und somit leichter verteidigt werden kann.

Ein weiterer Unterschied der Bananenflanke im Vergleich zu einer normalen Flanke oder einem sogenannten Flugball ist, dass sie durch die Krümmung mit wesentlich mehr Schwung und Tempo vom heraneilenden Stürmer als Abschluss auf das gegnerische Tor gebracht werden kann, da der Ball dem Angreifer durch den Bogen quasi im Tempo entgegenkommt und so ein höherer Druck bei der Berührung erzielt werden kann.

Wer wird als Erfinder der Bananenflanke bezeichnet und wieso?

Allgemein bekannt als Erfinder der Bananenflanke ist der ehemalige deutsche Fußballspieler Manfred Kaltz. Manfred „Manni“ Kaltz wurde am 6. Januar des Jahres 1953 in Ludwigshafen am Rhein geboren und spielte seine gesamte Laufbahn über in Deutschland im Verein von 1971 bis 1991 für den Hamburger SV, wo er insgesamt 581 Bundesligaspiele bestritt. Außerdem absolvierte er 69 Länderspiele für die deutsche Fußballnationalmannschaft, mit der er 1980 Europameister wurde. Manfred Kaltz spielte die Position des rechten Außenverteidigers, ging dort weite Wege mit nach vorne und interpretierte diese Position sehr offensiv, was ihn natürlich häufig an den Rand des gegnerischen Strafraumes brachte, von wo aus er seine berüchtigten Flanken schlagen konnte.

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Da er als erster Spieler überhaupt seinen Hereingaben die typische Krümmung in Form einer Banane mitgeben konnte und diese Technik perfekt beherrschte, lag es nahe, ihn als Erfinder dieser damals neuen Bananenflanken zu bezeichnen. Seine berüchtigten Bananenflanken fanden häufig einen dankbaren Abnehmer in Horst Hrubesch, der bis heute auch Dank der Mithilfe von „Manni“ Kaltz als größtes deutsches Kopfballungeheuer der Fußballgeschichte gilt.

Wie trainiert man solch eine Flanke am besten?

Eine Bananenflanke wird am besten im Einzeltraining trainiert, da nicht jeder Spieler eine Begabung für diese Variante der Flanke von vornherein mitbringt. Wenn ein Talent für das Anschneiden von Bällen vorhanden ist, sollten die betreffenden Spieler in Ruhe und alleine an dieser Technik arbeiten. Da die Bananenflanke auch gerne bei Freistößen und ruhenden Bällen eingesetzt wird, macht es Sinn, sich Hindernisse in Form einer hölzernen Freistoßmauer aufzustellen, um die herum dann die Flanken entweder in den Strafraum oder in eine bestimmte markierte Zone auf dem Spielfeld geschlagen werden.

Diese Methode kann auch für das Training mit dem bewegten Ball eingesetzt werden. Der Spieler wird im Tempo mit einem Steilpass oder Flugball in Richtung der Torauslinie geschickt und muss dann im vollen Lauf eine Bananenflanke um ein aufgestelltes Hindernis herum, das die Anwesenheit eines Gegenspielers simulieren soll, in den Strafraum schlagen. Hindernisse sind also ein unbedingtes Muss beim Training von Bananenflanken, da die trainierte Flanke ja eine Kurve oder einen Bogen um einen Gegenspieler herum beschreiben soll, um in eine gefährliche Zone zu gelangen. Durch die Hindernisse kann also perfekt die Krümmung der Flugbahn trainiert werden, andernfalls bleibt der Ball am Hindernis hängen und kann für keine Torgefahr sorgen.

Was passiert beim Schlagen einer Bananenflanke und welche physikalischen Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit die Bananenflanke erfolgreich durchgeführt werden kann?

Beim Schlagen einer Bananenflanke berührt der Spieler nur mit der Innenseite seines Fußes den Fußball, der Fußball wird also nur an einer Stelle außen berührt und angeschnitten. Der Fußball wird also mit dem sogenannten Effet versehen und in eine Rotation gebracht, er beginnt sich zu drehen. Die Luft auf der gegenüberliegenden Seite des Balles bewegt sich dort schneller als an der Seite, an der der Fußball berührt wurde, hier wird sie in der Luft abgebremst. Der Luftdruck ist auf der Seite der Berührung höher und auf der gegenüberliegenden „schnelleren“ Seite geringer.

Dieser entstandene Unterdruck zieht dann den Fußball in die gewünschte Richtung. Dieses Phänomen des Druckunterschiedes wird auch „Bernoulli-Effekt“ genannt, durch ihn entsteht während dem Flug die charakteristische und wunderschöne Kurve, die unsere Bananenflanke auszeichnet. Ein zusätzlicher Effekt entsteht durch einen Wirbel, der durch die Berührung hinter dem Fußball erzeugt wird. Dieser Wirbel lenkt, wie bei einem Ruderboot das Ruder, den Fußball in die gleiche Richtung.

Was macht die Bananenflanke so effektiv und einzigartig?

Die Bananenflanke ist deswegen so einzigartig, weil sie durch ihre Krümmung erst dann zu verteidigen ist, wenn sie am gewünschten Ziel angekommen ist. In der Luft, während ihrer Flugdauer, ist sie für keinen Abwehrspieler oder den Torhüter zu erreichen oder zu entschärfen. Sie ist so schwer zu berechnen und einzuschätzen, dass sich die Verteidiger oftmals fatal verschätzen und nicht mehr ins Geschehen eingreifen können. Außerdem bringt diese Art der Flanken eine so ungeheure Torgefahr in die gegnerischen Strafräume, weil die Torabschlüsse durch die Flugbahn und das Tempo des Schnittes viel härter und mit viel höherem Druck ausgeführt werden können.

Wenn eine Bananenflanke mit einem Kopfball aus vollem Lauf abgeschlossen wird, kommt der Fußball mit der Geschwindigkeit eines Torschusses auf das Tor und lässt dem Torhüter oftmals nicht den Hauch einer Chance. Das Gleiche gilt für einen Abschluss aus der Luft mit dem Fuß, auch hier können nach einer Bananenflanke höhere Geschwindigkeiten erzielt werden. Mit dem entstehenden Tempo und Druck beim Abschluss sind die Abschlüsse um ein vielfaches effektiver, weil sie kaum noch aufgehalten oder vom Torhüter pariert werden können. Außerdem werden Freistöße und Eckbälle durch diese Bananenflanken zu einer gefürchteten Waffe. Wer einen Könner dieses Fachs in seinen Reihen hat, kann also durch eine Standardsituation jederzeit extreme Torgefahr ausüben. Diese Tatsache ist im heutigen auf Kurzpassspiel und Ballbesitz ausgerichteten Spiel vor allem für auswärts antretende Mannschaften, die nicht so spielstark wie der Gegner sind, eine wichtige Komponente um zum Erfolg zu kommen.


Der einzige Nachteil der Bananenflanken ist, dass der ausführende Spieler immer die Krümmung der Flugbahn einberechnen muss, was, je weiter er der Torauslinie oder Spielfeldgrenze kommt, zum Problem werden kann, da das Spielgerät dann während des Fluges über die Linien hinauskommen kann und sich dann somit im Toraus befindet. Dies ist jedoch eine weitere Hommage an alle Könner dieses Faches, da sie alle genau spüren, wann sie diese Flanken einsetzen können und wie viel Effet und Drehung sie hineinpacken müssen, um den Fußball im Spielfeld zu halten und trotzdem zur Waffe zu machen.

Wer sind bekannte Protagonisten und Könner der Bananenflanke?

Auf deutscher Seite ist neben dem Erfinder Manfred Kaltz unbedingt der ehemalige Bayern- und Nationalspieler Mario Basler zu nennen. Unvergessen ist sein Freistoßtor in einem Spiel der deutschen Bundesliga gegen Schalke 04, das er mithilfe einer Bananenflanke erzielte. Neben Basler gibt es in der jüngeren Vergangenheit einen weiteren großen Star, der dieses Handwerk perfekt beherrschte und seine Gegner das Fürchten lehrte. Die Rede ist vom Engländer David Beckham, der durch seine angeschnittenen Flanken vor allem bei Freistößen und Eckbällen seinen ehemaligen Vereinen Manchester United und Real Madrid zu vielen erzielten Toren verhalf.

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Jeder Fußballfan wird sich an das Endspiel der Champions League 1999 erinnern, in dem der FC Bayern München gegen Manchester United in einer dramatischen Schlussphase einen sicher geglaubten Sieg noch hergeben musste und in den Schlussminuten noch mit 1:2 verlor. Die beiden Tore der Engländer wurden nach zwei von David Beckham geschlagenen Bananenflanken vom Eckstoßpunkt aus erzielt. Weitere bekannte Fußballgrößen sind der Brasilianer Roberto Carlos oder der Holländer Denis Bergkamp, die diese Form der Flanken ebenfalls in Perfektion beherrschten und ihren Sturmkollegen unzählige Tore auf diese Art und Weise vorbereiteten.

Fazit

Die Bananenflanke gilt völlig zu Recht gemeinhin als der König unter den Flanken. Ihre Ausführung ist extrem anspruchsvoll und macht die Spieler, die diese beherrschen, zu einer ganz besonderen Waffe des eigenen Teams. Die perfekt ausgeführten Bananenflanken sind für jede Defensive kaum zu verteidigen und für die eigene Offensive ein willkommenes Geschenk, um nach Eckbällen oder Freistößen, genauso wie aus dem laufenden Spiel heraus, zu einem Torerfolg zu gelangen. Wer diese Flanken einmal selbst erfolgreich verwertet hat oder sie auf einem Sportplatz live gesehen hat, möchte sie nicht mehr missen und wird sie immer als etwas Besonderes innerhalb unseres geliebten Spiels betrachten.

Weitere tolle Übungen für das Flankentraining:
1. Übung „Flanken aus dem Lauf
2. Übung „Flanken aus dem Lauf nach Zuspiel
3. Übung „Flanken aus dem Lauf nach prallen lassen
4. Übung „Flanken aus dem Lauf nach Hinterlaufen
5. Übung „Flanken aus dem Lauf nach Passstafette
6. Trainingskartothek „Kopfballtraining

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Bildquelle:
Sandro Donda