SC Freiburg II – FV Ravensburg: Dreiecksformation auf den Flügeln

Im zweiten Heimspiel der Rückrunde der Oberliga Baden-Württemberg empfing die Freiburger Zweitvertretung den starken FV Ravensburg. Vor einer überschaubaren Kulisse, dem Sonntagsspiel der Freiburger Profis und dem schlechten Wetter geschuldet, entwickelte sich eine torreiche und von aggressivem Zweikampfverhalten geprägte Partie. Durch die zahlreichen offensiven Szenen der Gastgeber bietet es sich an, in diesem Bericht den Fokus auf das Offensivverhalten der Gastgeber zu legen.

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Die offensive Spielphilosophie der Breisgauer war von der ersten Sekunde an zu erkennen. Nach dem Anstoß rückte der SC sofort mit sechs Mann in die gegnerische Hälfte vor und konnte nach wenigen Sekunden den ersten Abschluss verbuchen. In den ersten Minuten fiel es den Gastgebern jedoch zunächst schwer das Spiel bis hin zum eigenen Abschluss aufzubauen. Es entwickelte sich eine mittelfeldlastige und zweikampfreiche Anfangsphase. In der 10. Minute wurden die Freiburger kalt erwischt. Der FV Ravensburg ging nach einer Ecke, bei der sie mehrere Spieler im gegnerischen Fünf-Meter-Raum positionierten in Führung. Ab diesem Zeitpunkt spielte Freiburg drückenden Offensivfußball.

Spielaufbau mit Fokus auf den Flügeln

Freiburg baute das Spiel nach gewohntem Muster auf. Schlüsselspieler war einmal mehr der Freiburger Sechser, der sich mittig zwischen die Innenverteidigung fallen ließ. Wurde er angespielt setzten sich die Mittelfeldspieler in Bewegung, um als Anspielstationen fungieren zu können.


Gleichzeitig schoben die Außenverteidiger vorwärts und orientierten sich zur Seitenlinie, um das Spiel zu verbreitern. Auffällig war dabei, dass die Freiburger versuchten, auf den Flügeln eine Dreiecksformation zu bilden. Der Schlüssel zu dieser Taktik war das Verhalten der offensiven Flügelspieler. Freiburg agierte wie gewohnt Offensiv in einem 4-3-3. Der der Spielfeldseite entsprechende offensive Außen ließ sich fallen.

Gleichzeitig schob der nächstpositionierte Mittelfeldspieler nach Außen und postierte sich zwischen Flügelspieler und Außenverteidiger in einer Dreieckformation. War einer der beteiligten Spieler am Ball, versuchten die beiden anderen Spieler sich sofort freizulaufen. Sinn dieses Verhaltens war es, den Ball durch zwei verfügbare Anspielstationen auf den Flügeln behaupten zu können, selbst wenn der Gegner in Überzahl war. Wichtig für diese Art des Spielaufbaus war es, dass die übrigen vier Mittelfeld- und Offensivkräfte nachrückten und versuchen, Gegenspieler auf sich zu ziehen.

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Verschärften die Freiburger das Tempo über die Flügel, startete ein Spieler aus dem Dreieck in den Raum Richtung Grundlinie. Der Passgeber orientierte sich zumeist Richtung Rückraum, während der dritte Spieler sich im Strafraum positionierte. (In der Graphik ist die Nr. 2 der Passgeber und der Außenverteidiger startet in den Raum). Dadurch gelang es der Mannschaft von Christian Preußer regelmäßig selbst in Unterzahl gefährliche Flanken in den gegnerischen Strafraum zu schlagen. Diese Formation bescherte den Gastgebern schließlich in der 17. Minute den Ausgleich.

Mit Dreierkette am Strafraum


Nachdem der Sportclub eine Viertelstunde später durch eine Standardsituation das Spiel drehte, zeigte sich die offensive Spielphilosophie einmal mehr. Das Freiburger Powerplay im Drängen auf die Entscheidung offenbarte die taktischen Überlegungen hinter der offensiven Dreierkette. Wie schon häufiger in dieser Saison zu beobachten, gingen bei Freiburger Ballbesitz im letzten Drittel der Stürmer mittig auf Höhe der Strafstoßmarke und die Flügelspieler an den Ecken der Strafraumgrenze in Stellung. Zwei Verhaltensweisen stießen besonders ins Auge. Diese Positionen waren nur die Ausgangsformation. Gestaltete sich der Spielaufbau in der Mitte schwierig, zogen die Flügelspieler sofort nach außen. Dadurch versuchten sie die Defensiv-Reihe des Gegners horizontal auseinanderzuziehen.

In diesem Moment bestimmt die dahinter postierte Dreierkette das offensive Tempo. Die Räume die sich aus der gedehnten gegnerischen Abwehr ergaben nutzten die Mittelfeldspieler selbst, um in den Raum Richtung gegnerisches Tor zu starten. Gerade in diesem Fall kam dem Stürmer die zentrale Aufgabe zu, sich fallen zu lassen, um den Ball verteilen zu können, wenn seine Hintermänner ihn überliefen.

Die Gastgeber kreierten aber auch Abschlüsse, durch dieses Auseinanderziehen, indem sie so dem ballführenden Spieler Räume schafften, in den Strafraum einzudringen und Abschlüsse zu suchen (vgl. Graphik). Die zweite Auffälligkeit in diesem Spiel war das Verhalten der Freiburger Flügelspieler. Sie waren zentral für die Entwicklung der Angriffe. Wenn die Mitte blockiert war, schufen ihre Bewegungen nach außen neue Räume.

Auffälliger war aber noch, dass sie sich auch abseits des Balles intensiv bewegten. Wenn sich ein Angriff auf eine der beiden Seiten verlagert hatte, versuchten sie umgehen sich zu lösen. Diese Lösen konnte zwei Konsequenzen nach sich ziehen. Entweder versuchten sie sich so weit zu lösen, dass es den Mitspielern ermöglicht wurde das Spiel diagonal zu verlagern. Oder sie starten plötzlich zu ihren Mitspielern, um so ihren Gegenspieler abzuhängen und eine zusätzliche Anspielstation zu schaffen.

Pressing im letzten Drittel

Ebenfalls altbekannt war das aggressive Pressing der Freiburger. Gerade im letzten Drittel versuchte die hintere Dreierkette durch ein unauffälliges aber effektives Pressing den Gegner möglichst am eigenen Strafraum zu fixieren. In diesem Spiel hatte diese weit aufgerückte Mittelfeldreihe aber noch einen zweiten entscheidenden Vorteil. Der Sportclub gewann eine Reihe zweiter Bälle in gefährlicher Abschlussposition.

Diese Bälle hatten den Vorteil, dass das defensive Risiko in eine Konter des Gegners zu geraten gering blieb, es ergaben sich kaum Konter für Ravensburg, und den offensiven Druck auf einem konstant hohen Level halten zu können. Die 3.1 Führung ergab sich schließlich aus einem zweiten Ball im gegnerischen Strafraum. Die Offensiv-Taktik ging über weite Teile des Spiel voll auf.

Der zu diesem Zeitpunkt sicher scheinende Sieg geriet in den letzten zwanzig Minuten jedoch in Gefahr, als ein Freiburger Akteur sich im strömenden Regen die zweite Verwarnung einhandelte und sich vorzeitig unter die Dusche stellen durfte. Zuvor konnte Ravensburg unter Mithilfe des starken Windes einen Freistoß aus dem Halbfeld direkt verwandeln.

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Erst in der letzten Spielminute folgte die Entscheidung. Nach einer Ravensburger Ecke mit dem eigenen Torhüter im Freiburger Strafraum, war dieser im Laufe des Freiburger Konters zwar wieder rechtzeitig vor seinem Gehäuse, konnte aber nicht verhindern, dass die Freiburger zu zweit vor ihm auftauchten. 4:2 Endstand und Tabellenführung als Bilanz eines regnerischen Sonntagnachmittags.

Von Julian Pfitzer

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