So trainiert der FC Barcelona (Teil zwei)

Dass Barça seit ein paar Jahren den besten Fußball auf der Welt spielt, wird wohl niemand ernsthaft abstreiten können, außer Jose Mourinho vielleicht. Doch was führt dazu, dass die Katalanen so dominant sind? Einblicke in das Training des besten Clubs der Welt.

Dauerläufe und Zirkeltraining ist es also genauso wenig wie der Medizinball, mit dem die Mannschaft des FC Barcelona ein Spiel über 90 und mehr Minuten zu beherrschen lernt im Training; die 70 oder teilweise 80 Prozent Ballbesitz, die das Team in einem Spiel hat, setzen allerdings eine ungeheure Fitness voraus, das ist klar. Wie schon im ersten Teil kurz angerissen: Schnelligkeit, Schnellkraft, Ballbeherrschung in höchstem Sprinttempo und anaerobe Ausdauer sind die Grundlagen für das Barça-Spiel. Fünf Prozent des Trainings bestünden aus Sprints ohne Ball, wie Ronald Reng schon 2006 für die Süddeutsche Zeitung recherchiert hat, das war noch unter Trainer Frank Rijkaard, und es ist kaum anzunehmen, dass sich seit 2008 unter Pep Guardiola daran grundsätzlich etwas geändert hat.

Es wurde in Barcelona vielmehr die „Fitnessschulung ins Balltraining integriert“, schreibt Reng, und weiter: „Barças Spieler merken nicht, wenn sie die Physis trainieren“. Mehr Anti-Magath geht nicht. Mit dem Ball am Fuß und hin und wieder auch ohne ziehen die Stars, die doch alle so bescheiden wirken, ziehen also Xavi, Messi, Villa, Pedro, Iniesta und Co. Sprints an auf engem Raum, dann bremsen sie abrupt, schlagen einen Haken wie um einen imaginären Gegenspieler herum, passen davor den Ball und bekommen ihn sofort wieder.

Die Belastung wird gar nicht bemerkt

Und auch, wenn Zirkeltraining nicht stattfindet, durch diverse Parcours müssen sie in jedem Training hindurch, es hilft nichts, aber es ist nicht die Art von Parcours, mit der fitnessversessene Jugendtrainer hierzulande ganze Generationen von Talenten dazu bringen, nicht mehr im Training zu erscheinen. Ein Parcours in Barcelona, so Reng sehe eher so aus: „Zum Beispiel beginnt ein Spieler an der Mittellinie mit einem Pass nach außen. Dann fliegt er über vier niedrige Hürden, kriegt den Ball zurück, sprintet damit um Slalomstangen, und so weiter, bis er zum Torschuss kommt.“

Weil alles mit Ball abläuft, macht so ein Parcours auch mit unzähligen Varianten Spaß, und die Spieler bekommen höchstens nebenbei mit, dass sie „gleichzeitig Schnellkraft, Ballbeherrschung auf Höchsttempo, anaerobe Ausdauer“ trainieren, wie Reng schreibt – „Ballverliebt wie Fußballer sind, denken sie nur an den Pass, den Torschuss“, die in die Übungen integriert sind.

Wie der Hase hinter dem Igel

Während Fußballer nach ausgiebigen Trainingsdauerläufen richtig pumpen müssen, also die Muskeln so schnell wie möglich wieder mit roten Blutkörperchen via Sauerstoffzufuhr eindecken müssen, ist die Zeit, die die Spieler nach einem solchen Parcours zur Erholung brauchen, verschwindend gering. Deutsche Trainer hört man oft, wenn sie sich darüber beschweren, dass in einem Spielrhythmus Samstag – Mittwoch – Samstag gar keine Zeit bleibe, um ordentlich zu trainieren. Die Antwort auf diesen Satz kann nur heißen, dass in dem Fall eben falsch trainiert wird. Barça spielt im gleichen Rhythmus, und wenn am Mittwochabend ein Champions League-Spiel war, geht das Team am nächsten Tag auf den Platz und erholt sich quasi beim Training. Pass, Spurt, Drehung, Bremsen, Doppelpass, Sprint, Abbremsen, Finte, Torschuss.

Francisco Seirullo ist seit Jahren Fitnesstrainer bei der derzeit besten Mannschaft der Welt, und wie er dem Journalisten Reng 2006, kurz vor Barcelonas Champions League-Sieg gegen den FC Arsenal, erklärt hat, sind jene Teams, die klassisch Kraft und Kondition bolzen im Training, gegen Barça in der ersten Halbzeit nach etwa 25 Minuten kaputt. In der zweiten, nachdem sie sich in der Pause erholt hätten, seien es gar nur noch 15 Minuten, bis der Gegner einbricht. Ein Teil der Wahrheit ist eben nicht nur, dass die Art des Trainings die Spieler fit hält, sondern auch der Geist. Und wer gegen Barcelona nur hinterherrennt wie der Hase dem Igel, weil Barça Ball und Gegner laufen lässt und kaum Bälle verliert, der bekommt sicher auch irgendwann mentale Probleme.

Im nächsten Teil gehen wir näher auf genau dies ein: Wie schafft es Barcelona, Ball und Gegner so laufen zu lassen, dass sie 70 bis 80 Prozent Ballbesitz haben? Einblicke in das technische Konzept, das Philosophie und Training der Katalanen zugrunde liegt.

One thought on “So trainiert der FC Barcelona (Teil zwei)”

  1. Freund der Barca-Spielkultur says:

    “Und auch, wenn Zirkeltraining nicht stattfindet, durch diverse Parcours müssen sie in jedem Training hindurch, es hilft nichts, aber es ist nicht die Art von Parcours, mit der fitnessversessene Jugendtrainer hierzulande ganze Generationen von Talenten dazu bringen, nicht mehr im Training zu erscheinen”

    Ich finde dieser kritische Satz in Richtung alle Jugendtrainer die so ihre Spieler trainieren,trifft genau ins Schwarze und ist zu 100% zu bestätigen.Wir wollten die Trainingsmethoden der großen Verein als Orientierung nehmen.Der Verfasser dieser “Barca-Serie” hat mit allen Recht was er schreibt und gleichzeitig möchte ich danken sagen für diese Ausführungen.

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