17. Mai 2012
Drei entscheidende Faktoren sind es, die ein Trainer zur Führung unbedingt benötigt. Wobei: Es sind Faktoren, die für alle Personen gelten, die eine führende Position bekleiden, also etwa auch Teamleiter eines Projektteams, Lehrer, Manager etc. Aus den Aufgaben, die aus einer solchen Führung erwachsen, ergeben sich klare Bereiche, die die führende Person ausfüllen muss – und das sind eben genau die oben erwähnten Faktoren. Diese sind: Erstens ein klar abgesteckter Kompetenzbereich, zweitens ein festgelegter Entscheidungsspielraum, und drittens das Initiativrecht. Im Folgenden wollen wir ein wenig näher auf diese drei Bereiche eingehen.
Der Kompetenzbereich
Wer führen will, muss für sich klar analysieren, wie er Führung definiert und umsetzt. Denn er ist gegenüber dem Vorgesetzten – oder, um beim Fußball zu bleiben, dem Abteilungsleiter oder dem Vorsitzenden des Vereins – für den Erfolg (in diesem Fall der Mannschaft) verantwortlich. Also sollte sich der Trainer überlegen, wie er diesen Erfolg am besten herbeiführt. Das tut er, indem er sich auf seinen Kompetenzbereich konzentriert, und der liegt bei einem Trainer nun mal in der Gestaltung des Trainings und den damit verbundenen Aufgaben der Analyse und dem Ziehen der richtigen Schlussfolgerungen. Anhand dieser Folgerungen muss er überdies bestimmen, wie er das nächste Spiel angeht und welche Mannschaft er dafür aufstellt. Für das Training kommt hinzu, dass methodisches Vorgehen und das Anwenden einer Trainingslehre ebenfalls zum Kompetenzbereich des Trainers zählen. Und in diesen fallen schlussendlich, zumindest in den unteren Amateurklassen oder im Jugendbereich, weitere Aufgaben wie Organisation, Platzbeschaffung und ähnliche Dinge. Dabei ist es für den Trainer wichtig, den Kompetenzbereich sofort beim Amtsantritt mit dem Vorgesetzten klar zu definieren. Denn daran wird sich die spätere Arbeit orientieren – und führen kann ein Trainer nun einmal ausschließlich in diesem Kompetenzbereich, nämlich seinem ureigenen. Immerhin geht es um die Führung der Mannschaft.
Der Entscheidungsspielraum
Dieser hängt eng mit dem Kompetenzbereich zusammen. Dazu gehören die inhaltliche Trainingsgestaltung sowie die als nötig erachteten Sondermaßnahmen, etwa Trainingslager und ähnliche Dinge. Was die Spieler betrifft, so fallen die Verwendung eines Spielers auf einer bestimmten Position, die grundsätzliche Aufstellung, die Vorgabe einer taktischen Ausrichtung sowie Sanktionen bei Fehlverhalten eindeutig und ausschließlich in des Trainers Entscheidungsspielraum. Er muss von vornherein gegenüber seinem Vorgesetzten dafür sorgen, dass derlei sportliche Belange allein seine Aufgaben sind. Denn schließlich führt der Trainer die Mannschaft.
Das Recht auf Initiative
Was diesen Punkt betrifft, so ist er die logische Folge aus den beiden anderen Faktoren Kompetenzbereich und Entscheidungsspielraum. Mit der beschriebenen, eindeutigen Abgrenzung seiner Aufgabenfelder übernimmt der Trainer das Recht auf Initiative – oder besser gesagt: die Pflicht zur Initiative. Werden ihm etwa vom Betreuer, vom Abteilungsleiter oder vom Vereinsvorsitzenden Aufgaben zugewiesen, die eindeutig nicht in seinen Kompetenzbereich fallen, so hat der Trainer die Pflicht, diese Aufgaben zwar nicht rundheraus abzulehnen, aber doch zumindest festzustellen, dass er die geforderte Arbeit an andere Personen weiterdelegiert. Oft sind das Dinge im organisatorischen Bereich. Der Trainer kann gegenüber dieser dritten Person die Ableistung dieser Aufgaben einfordern und hat gleichzeitig das Kontrollrecht inne. Weil sich im unteren Leistungsbereich im Fußball die Kompetenzverteilung zwischen einem Trainer und einem Manager oft nicht klar trennen lässt, birgt das Initiativrecht erhebliches Konfliktpotenzial. Darum ist es aber umso notwendiger, von vornherein seinen Kompetenzbereich und den Entscheidungsspielraum eindeutig abzustecken – wenn ein Konflikt entsteht, leidet nämlich als erstes oft die sportliche Komponente, also die Mannschaft, darunter. Und das sollte in jedem Fall vermieden werden, denn schlussendlich wird dafür der Trainer zur Verantwortung gezogen, da er als Führungsperson der Mannschaft angestellt ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es zur Führung einer Gruppe folgender Faktoren bedarf: Zielsetzung, Entscheidung, Kontrolle, Realisation, Planung und Organisation. Um die Ziele zu erreichen, können Aufgaben vom Trainer an andere Personen wie Co-Trainer oder Manager delegiert werden, allerdings bleibt die Gesamtverantwortung natürlich beim Trainer. Um eine Mannschaft richtig führen zu können, bedarf es natürlich auch gewisser „soft skills“ wie pädagogisches und psychologisches Talent, eine starke Persönlichkeit, sehr gute Sachkenntnis oder eine natürliche Autorität, die bei der Vermittlung der sportlichen Inhalte an die Mannschaft glaubwürdig ist.
Schlagwörter:
Betreuer,
Co-Trainer,
Kompetenz,
Sozialverhalten,
Traineralltag
17. April 2012
Wer als Trainer einer Jugend- oder Amateurmannschaft fungiert, der wird bald feststellen, dass die Arbeit allein mit der Vorbereitung auf Trainingseinheiten oder Spieltage noch lang nicht getan ist. Das sollten sich vor allem Neueinsteiger zu Herzen nehmen. Fußball trainieren zu lassen, das ist das eine. Doch in einem kleinen Verein warten auf einen Übungsleiter neben der sportlichen Betreuung der Mannschaft bis zu zwölf (!) Arbeitsfelder, um die er sich kümmern muss.
Das beginnt, erstens, mit der Verständigung mit dem Platzwart. Mit ihm muss der Trainer geplante Termine abklären und die Platzbelegung klären – das erfordert einen ständigen Kontakt, da ja auch andere Mannschaften eines Vereins oft zur gleichen Zeit trainieren. Vorausgesetzt, es gibt keinen Zeugwart, muss ein Trainer zweitens dafür sorgen, dass der Trikotsatz zu jedem Spiel verfügbar ist, und zwar ein frisch gewaschener Satz. Das bedeutet, dass der Trainer das Waschen selbst übernimmt oder jeder Spieler reihum einmal dran ist mit dem Waschen der Trikots, die er zum nächsten Spieltag wieder mitbringen muss. Drittens sollte der Trainer einen guten Draht zu anderen Vereinen in der Region haben. Das erleichtert die Kommunikation, wenn ein Spieler zwischen den Clubs wechseln möchte; gleichzeitig fördert ein gutes Verhältnis mit den Nachbarvereinen die Tatsache, dass die eigene Mannschaft angefragt wird, bei Turnieren oder Testspielen mitzumachen.
Ebenfalls wichtig ist, viertens, dass der Kontakt zu den anderen Mannschaften der gleichen Altersklasse im Verein gehalten wird. Ist das Verhältnis entsprechend gut, gibt es keine Probleme, wenn man selbst Spieler einer anderen Mannschaft anfordern muss oder die eigenen Spieler von der anderen Mannschaft angefordert werden. Dazu kommt, dass es nicht schadet, sich mit den Trainern dieser Mannschaften bzw. generell mit allen Trainern im Verein über Trainingsmethoden etc. auszutauschen – entsprechend ist „Networking“ mit diesen Trainern absolut erforderlich. Fünftes sollte ein Trainer ein Mindestmaß an Ahnung haben, was die medizinische Betreuung der Spieler betrifft. Zwar muss er einen Masseur oder einen Physiotherapeuten nicht ersetzen können, doch sollte der Trainer in der Lage sein, die typischen Symptome typischer Verletzungen der Spieler richtig zu deuten, um schlimmere Blessuren zu vermeiden. Auch sollte, Aufgabe Nummer sechs, ein gesundes Verhältnis zum Abteilungsleiter Fußball und zum Vorstand des Verein herrschen. Spätestens, wenn diese Personen Berichte von einem Trainer einfordern oder wenn es um den Vertrag geht, erweist sich ein gutes Verhältnis als nützlich. Auch in punkto Zielgespräche bzw. Entwürfe von Konzepten gilt das.
Siebtens: Ein Trainer sollte es tunlichst vermeiden, sich mit den eigenen Zuschauern anzulegen (etwa bei dauerhaft schlechten Leistungen der Mannschaft). Denn es kann andernfalls mehr kaputtgehen, als man zunächst einmal annimmt. Wenn sich die Stimmung des Publikums dauerhaft gegen Mannschaft und Trainer richtet, zieht das meist sportlich nicht spurlos am Team vorüber. Wenn die Abneigung zu groß wird, bleiben die Zuschauer aus, wie es oft bei Vereinen in den höchsten Spielklassen zu beobachten ist. Dabei sind hier wie dort die Verein finanziell oft abhängig von den Eintrittsgeldern, die die Zuschauer bezahlen. Aufgabe Nummer acht ist ein halbwegs gutes Verhältnis zur lokalen Presse, um potenzielle Unruhe gar nicht erst entstehen zu lassen (das Gegenteil nämlich tritt ein, wenn Zeitungen den Trainer „wegschreiben“ o.Ä.). Apropos Presse: zur Vor- und Nachbereitung eines Spiels zählt die Vorschau in der Lokalzeitung ebenso dazu wie die Lektüre der Spielberichte hinterher. Neuntens ist die Kontaktpflege zu Sponsoren in kleinen Vereinen auch eine Traineraufgabe. So können finanzielle Zuschüsse gesichert werden, etwa durch Werbeeinnahme auf den Trikots.
Zum zehnten ist ein guter Draht zum Sportlerheim nicht unwichtig, so banal es erst einmal klingt. Wer sich mit dem Wirt versteht, kann bei diesem leichter bestimmte Räume und Zeiten reservieren, um Mannschaftssitzungen mit gemeinsamem Essen durchzuführen. Das stärkt den Mannschaftsgeist. Nummer elf: Wer das Glück hat, einen Sportartikelhersteller in der Region zu haben, kann sich bei diesem direkt um die Bereitstellung von Spielkleidung bemühen; auch größere Firmen unterstützen kleine Lokalvereine dabei gern. Und zwölftens und letztens sollte sich ein Trainer nie darum drücken, sich den Eltern (bei Jugendlichen) oder den Partnerinnen bzw. Ehefrauen der eigenen Spieler vorzustellen, wenn diese nach einem Spiel noch mit im Vereinsheim sitzen. So kann der Trainer charmant die familiäre Unterstützung seiner Spieler in Bezug auf seinen Sport einfordern oder dafür werben, dass die Spieler öfter gemeinsam etwas unternehmen. Das ist gerade bei Jugendlichen sinnvoll.
Sicher gibt es theoretisch noch jede Menge Aufgaben, denen sich ein Trainer im Umfeld eines Vereins widmen könnte. Doch wie überall gilt auch hier: Maß halten. Die wichtigste Aufgabe ist für den Trainer immer noch, die Mannschaft so zu trainieren, dass sie im Wettkampf am Wochenende das Spiel gewinnen kann oder zumindest alles tut, um ein positives Ergebnis zu erzielen.
Schlagwörter:
Fußballspieler,
Fußballtrainer,
Umfeld
17. März 2012
…oder sagen wir besser: verlangen sollte. Es handelt sich dabei nicht um klare Regeln, denn einige dieser Vorsätze können nicht immer befolgt werden – so etwa Vorschlag Nummer eins, demzufolge man als Trainer seinen Spielern vorgibt, den ersten Zweikampf in einem Spiel immer zu gewinnen. Das kann nicht funktionieren, und doch ist der Vorsatz wichtig – weil er beim Spieler eine hohe Konzentration erzeugt. Der Spieler ist also sofort „im Spiel“, wenn er sich die Vorgabe zu Herzen nimmt. Dasselbe gilt auch für den ersten Pass, von dem der Trainer verlangt, dass er in jedem Fall bei einem Mitspieler landen sollte – und nicht in den Reihen des Gegners.
Wie man sieht, geht es nicht in erster Linie um Benimmregeln im Training, die stellt ein Trainer so oder so auf. Es geht darum, wie man sich als Spieler in einem Spiel einführen und auch darum, wie man sich aufführen sollte. Man könnte sagen, dass es sich um Merksätze handelt, die die Spieler verinnerlichen sollten. Dazu gehören grundlegende Dinge wie das frühe Stören des Gegners, noch bevor dieser den Ball richtig kontrollieren kann, aber auch psychologische Tipps wie der, dass der Spieler den ersten Gedanken, den er mit Ballbesitz hat, auch in die Tat umsetzt. Wer zu lang oder zu umständlich denkt, dem wird die Aktion misslingen.
Zu diesen sportlichen Vorgaben zählen jedoch auch einfache Dinge, die in jedem Training angesprochen werden müssen – etwa das Vermeiden von Querpässen vor dem oder im eigenen Strafraum. Das gehört ebenso in die Abteilung Ballsicherung wie die Aufforderung an die Spieler, den Körper möglichst immer zwischen Ball und Gegner zu bringen. Auch sollte der Trainer nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass riskante Aktionen in der Nähe des eigenen Tores unterlassen werden müssen. Lieber man spielt einen hohen und weiten Ball auf Verdacht, so dass die eigene Defensive selbst im Fall eines Ballverlusts die Zeit findet, sich neu zu sortieren.
Neben diesen Grundsätzen, die für die Verteidigung gelten, gibt es allerdings auch Merksätze für die Spieler, die den Ball im Angriff am Fuß haben. So sollte sich der ballführende Angreifer mit dem Ball stets bewegen, um keine leichte Beute für den gegnerischen Manndecker zu werden; wer einen Pass in die Tiefe spielt, sollte den Ball so timen, dass der Mitspieler den sofortigen Abschluss suchen kann – Zielstrebigkeit ist hier gefragt. Weitere Vorgaben für die Offensivspieler sind der Mut zum Risiko beim Abschluss, jedoch nicht ohne kurz vor dem Schuss noch einmal aufzuschauen, um zu sehen, welche Torecke offen ist.
Doch diese inhaltlichen Grundsätze allein reichen nicht, um einen guten Fußballer zu formen (von den technischen Möglichkeiten, die dieser sowieso mitbringen sollte, ganz zu schweigen). Fairness und der sportliche Umgang mit dem Gegner, den Zuschauern oder dem Schiedsrichter gehört ebenfalls dazu. Dabei sollte der Trainer seinen Spielern auch einimpfen, dass rohes und gefährliches Spiel zu unterlassen ist, etwa die Grätsche von hinten in die Beine, die Grätsche von vorn mit gestrecktem Bein (oder gar beiden gestreckten Beinen) und abenteuerliches Einsteigen, wenn keine Chance mehr darauf besteht, den Ball noch zu spielen. Dazu kommt, dass der Spieler, wenn er selbst gefoult wird, sich bei kleinsten Attacken vor Schmerzen krümmt und dem Schiedsrichter damit womöglich eine gelbe Karte für den Gegenspieler signalisieren möchte. Ebenso verwerflich ist natürlich das aktive Fordern einer Verwarnung für den Gegner, wie es im Profibereich leider allzu oft zu sehen ist. Generell sollte gegenüber dem Unparteiischen nicht ständig reklamiert oder lamentiert werden. Und genauso sollte man auch das Publikum nicht aufstacheln.
Wenn Spieler all diese Grundsätze verinnerlichen, steht einem guten Fußballspiel nichts mehr im Wege – verbunden mit der Hoffnung, dass der Trainer des Gegners seine Spieler auf die gleiche Weise eingestellt hat.
Schlagwörter:
Autorität,
Benimmregeln,
Grundsätze,
Mannschaftsgeist,
Regeln,
Trainer
17. Februar 2012
Die Diskussion um den Trainerschein hat in den vergangenen Jahren auch vor dem Profifußball nicht Halt gemacht. Lebhaft in Erinnerung ist noch das Beispiel Markus Babbel: Der hatte als Teamchef den VfB Stuttgart am Ende der Saison 2008/09 auf den dritten Platz und nach der Sommerpause via Qualifikation in die Champions League gebracht. Der DFB in Form von Matthias Sammer forderte jedoch von Babbel, dass er den Schein machen solle, wogegen sich der VfB und Babbel zunächst heftig wehrten. Doch Babbel blieb keine Wahl, er musste an den Lehrgängen teilnehmen und konnte sein Team nur noch an drei Tagen in der Woche betreuen. Der VfB Stuttgart stürzte in der Tabelle ab und die Frage war: War es nicht offensichtlich, dass Babbel ein guter Trainer ist? Warum sich das durch einen Schein bestätigen lassen müssen? Schließlich hatte er als Fußballer (u.a. FC Bayern, FC Liverpool etc.) und als Co-Trainer beim VfB langjährige Erfahrungen in der Branche vorzuweisen.
Doch wir wollen uns lieber mit der Frage beschäftigen, ob es für Trainer von Jugend- und Amateurteams ratsam ist, den Trainerschein zu machen oder eben nicht. „Trainer“ darf sich – eigentlich – nur nennen, wer eine A-, B- oder C-Lizenz erworben hat (wer einen Club beruflich trainiert oder beim DFB oder den einzelnen Verbänden als Trainer arbeitet, nennt sich offiziell „Fußballlehrer“); wer hingegen im Amateurbereich oder in der Jugend auf ehrenamtlicher Basis ohne Lizenz, also ohne Trainerschein, fungiert, hat keine offizielle Bezeichnung. Das vom DFB aufgesetzte System ist relativ komplex, wie hier nachzulesen ist: http://www.dfb.de/index.php?id=500920.
Bereits daraus wird ersichtlich, dass es für die einzelne Person im Prinzip nur von zwei Faktoren abhängt, einen Schein zu erwerben. Zum einen ist das der Fall, wenn sich ein Fachübungsleiter vorstellen kann, zu einem späteren Zeitpunkt einen höherklassigen Verein zu trainieren (etwa auf Verbandsebene direkt unterhalb der Regionalliga); zum anderen ist der Erwerb einer Lizenz dann sinnvoll, wenn man sich als Fachübungsleiter fachlich fortbilden möchte – in diesem Fall also einen Lehrgang besuchen will.
Der Erwerb einer solchen Trainerlizenz ist vor allem dafür gedacht, dass „einheitliche Qualitätsstandards“ (Wikipedia) gewährleistet werden können. Wer die C-Lizenz machen möchte, beginnt in jedem Fall mit einem zweiteiligen Eignungstest (Theorie und Praxis), der gewährleisten soll, dass sich der potenzielle Lizenzinhaber generell mit dem Fußball ein wenig auskennt. Die Bandbreite eines theoretischen Tests kann von Fragen zu Begleiterscheinungen des Amateurfußballs (wie etwa Gewalt innerhalb einer Mannschaft oder bei einem Spiel) über Fragen, wie Jugendliche für den Fußball begeistert werden können, bis hin zu komplexeren Themen wie der Beschreibung bestimmter taktischer Systeme. Beim Praxistest existieren ebenfalls viele Varianten; im Normalfall wird jedoch ein von den Übungsleitern konzipiertes Training abgehalten. Hintergrund hierfür ist folgender: Wer mindestens eine C-Lizenz erwerben möchte, sollte in der Lage sein, seinen Schützlingen die Übungen auch vorzumachen. Denn das steigert in jedem Fall die Akzeptanz innerhalb der Mannschaft.
Als Conclusio bleibt also nur zu sagen: Der Erwerb einer Trainerlizenz ist dann nicht notwendig, sofern man als Teamleiter (so die offizielle DFB-Bezeichnung) im Kinder-, Jugend- und Seniorenbereich (in unteren Spielklassen) fungieren möchte. Sinnvoll ist eine Weiterbildung im Sinne eines Lizenzerwerbs jedoch allemal. Und wer weiß schon, ob er später nicht doch einmal Lust verspürt, ein höherklassiges Team zu führen.
Schlagwörter:
Trainer,
Trainerqualifikation,
Trainerschein,
Übungsleiter
17. Januar 2012
Um ein Trainingslager ordentlich durchführen zu können, bedarf es einer ganzen Menge Überlegungen, die vorab angestellt werden müssen. Welches Alter hat die (Jugend-)Mannschaft, handelt es sich um ein Sommer- oder um ein Wintertrainingslager, was soll hauptsächlich trainiert werden im Trainingscamp, und: Welche anderen Freizeitangebote sollte es in der Nähe geben? Fragen, die unbedingt beantwortet werden müssen, bevor es in Trainingslager geht. Wir wollen mit der Frage nach dem Alter beginnen.
Denn ganz entscheidend ist es, in welcher Entfernung von zuhause das Camp liegt – für den Fall, dass es jüngere Spieler sind, ist es ratsam, das Trainingslager in relativer Nähe zum Heimatort abzuhalten. Denn gesetzt den Fall, ein Spieler verletzt sich schwerer, so dass es eines Aufenthalts in der Klinik bedarf, oder ein Spieler erkrankt ernsthaft (etwa an einer fiebrigen Grippe), so ist es gerade für die Jüngeren wichtig, dass die Eltern das Kind bzw. den Jugendlichen besuchen oder gar nach Hause holen können. Natürlich gibt es keine Richtlinie in Form einer Kilometerzahl, doch sollten die Eltern in einem solchen Fall innerhalb kurzer Zeit in der Lage sein, an den Ort des Trainingslagers zu kommen. Ältere Jugendliche oder erwachsene Fußballer legen hingegen von sich aus Wert darauf, dass das Camp weiter von zuhause entfernt ist, so steigt das Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Fremde und der „Abenteuer“-Faktor.
Während es im Sommer praktisch überall möglich ist, ein Trainingscamp durchzuführen (jedenfalls in Mitteleuropa), liegt der Fall im Winter bzw. im späten Winter, wenn die Vorbereitung auf die Rückrunde steigt, deutlich anders. Niemand weiß zum Zeitpunkt der Buchung, wie das Wetter an einem bestimmten Ort sein wird, darum empfiehlt es sich für Jugend- und Amateurteams, das Trainingslager nicht mehrere Autostunden vom Heimatort entfernt auszutragen. So vermeidet man gerade im Winter oft stundenlange Anreisen bei gefährlichen Straßenverhältnissen und kann, so das Wetter den Gang auf den Fußballplatz überhaupt nicht zulässt, im Zweifelsfall das Camp abbrechen und nach Hause fahren, bevor der Lagerkoller ausbricht. Schließlich soll ja trainiert und nicht etwa eine Woche lang ununterbrochen Tischfußball oder Tischtennis in der Unterkunft gespielt werden. In jedem Fall ist es ratsam, sich vorher zu versichern, dass sich in unmittelbarer Nähe der Unterkunft eine Sporthalle befindet, so dass zumindest hin und wieder indoor trainiert werden kann, sollten die Sportplätze unter freiem Himmel etwa gesperrt sein.
Dann: Was plant man als Trainer für Schwerpunkte im Camp? Auch das ist ein Kriterium, das bei der Wahl des Ortes ins Gewicht fällt. Für die Sommervorbereitung auf die neue Saison etwa legen die meisten Trainer Wert darauf, dass auch konditionelles Grundlagentraining durchgeführt werden sollte. Hierfür bietet sich in jedem Fall ein Trainingscamp in einer hügeligen oder gar bergigen Umgebung an – je höher gelegen, desto besser: ein Höhentrainingslager ist ideal für die Vorbereitung im Sommer. Zum einen, weil dabei rote Blutkörperchen in Mengen produziert werden, das stärkt Muskulatur und Kreislauf. Zum anderen, weil das läuferische Element anspruchsvoller ist, wenn die Strecken nicht immer nur ebenerdig verlaufen. Außerdem können auf den hügeligen Strecken auch Touren mit dem Mountainbike prima durchgeführt werden, um den Spaßfaktor beim Konditionstraining zu erhöhen. Nun sollte natürlich kein Jugend- oder Amateurverein aus Norddeutschland ins Allgäu oder nach Österreich reisen müssen (für Vereine weiter südlich ist das hingegen in der Regel kein Problem), doch gibt es schon in den nördlicheren deutschen Mittelgebirgen ausreichend Möglichkeiten, etwa im Harz oder im Sauerland, die genannten Rahmenbedingungen vorzufinden.
Für eine Gruppe ist es überdies enorm wichtig, dass in der Nähe der gewählten Unterkunft ausreichend Möglichkeiten vorhanden sind, um die freie Zeit während des Trainingscamps zu verbringen. Idealerweise verbinden die Spieler diese Freizeit aktiv. Das bedeutet, nahe gelegene Hallen- oder Freibäder sind ebenfalls Grundbedingung für die Wahl des Ortes. Eine Sommerbobbahn, Tennis- oder Minigolfplätze o.Ä. schaden ebenfalls nicht. Zudem sollte die Unterkunft über einige Tischtennisplatten verfügen, was indes zumeist der Fall ist.
Was die Unterkunft selbst betrifft, so sollte man die Spieler nicht mit einem luxuriösen Hotel der Kategorie „3 Sterne plus“ verwöhnen und darauf achten, dass niemand ein Einzelzimmer bekommt (es sei denn, es bestehen berechtigte Gründe). Einfache Hotels bzw. Jugendherbergen genügen in aller Regel, schließlich liegt das Augenmerk darauf, dass viel trainiert wird und die Spieler abends müde sind. Um die Gruppe zu stärken, schadet es nicht, wenn die Spieler ihr Abendessen hin und wieder selbst zubereiten müssen – hier lässt sich mit der Hausleitung sicher eine Vereinbarung treffen, dass einige der Spieler an einigen Abenden die Küche selbst nutzen können, um für alle zu kochen, während ein zweiter Teil der Mannschaft des Tisch deckt und später den Abwasch übernimmt. Nicht zwingend notwendig, aber doch ratsam ist es, einen Gemeinschaftsraum mit einem Fernseher und einem DVD-Spieler zur Verfügung zu haben.
Schlagwörter:
Sommertrainingslager,
Trainingscamp,
trainingslager,
vorbereitung,
Wintertrainingslager
20. April 2011
Ein Trainer muss sich stets neu beweisen. Oft reichen schon wenige Niederlagen aus, um eine positive in eine negative Stimmung kippen zu lassen. Der Druck ist dementsprechend groß. Dennoch muss ein Trainer sich unter Kontrolle haben und darf auch in schwierigen Situationen keine Fehler machen, die sich langfristig auswirken. Damit sind nicht Fehler wie falsche Auswechslungen gemeint. Kleine Fehler können jederzeit passieren. Solange sie sich nicht häufen, mindern sie nicht den Respekt der Spieler.
Es gibt aber Fehler, die einen Trainer in kurzer Zeit untragbar werden lassen. Ganz oben auf der Liste steht dabei der Verlust von Glaubwürdigkeit. Ein Trainer, bei dem Worte und Taten nicht miteinander in Einklang stehen, wird schnell den Respekt seiner Spieler verlieren. Wer z.B. Pünktlichkeit einfordert, selbst aber ständig durch Unzuverlässigkeit auffällt, verliert seine Autorität.
Ein Trainer muss zu seinem Wort stehen. Deswegen sollte er keine Versprechungen machen. Das klingt zynisch, ist aber in der Realität die beste Vorgehensweise. Selbstverständlichkeiten wie Fairness, Loyalität zum Verein und Zuverlässigkeit müssen nicht durch ein Versprechen bestätigt werden. Es reicht völlig, wenn diese Werte in der Praxis gelebt werden. Andere Versprechen können im schnelllebigen Fußball schnell zum Problem werden. Wenn ein Trainer einem Spieler verspricht, im nächsten Spiel auf jeden Fall zu spielen, klingt das im ersten Moment unproblematisch. Doch was ist, wenn ein verletzter Spieler sich zurückmeldet oder der auserkorene Spieler schlecht trainiert? Dann hat der Trainer plötzlich ein Dilemma und muss vielleicht sein Versprechen brechen. Für den Spieler ist am Ende entscheidend, ob er spielt oder nicht. Das Versprechen des Trainers wird nur dann wichtig, wenn es gebrochen wird.
Ebenso kann es einem Trainer sehr schaden, wenn er Spieler ungleich behandelt. Das führt zu Neid in der Mannschaft, der auf Dauer eine zersetzende Wirkung im Team haben kann. Wenn ein Trainer einzelne Spieler anders behandelt, muss er dafür gute Gründe haben und diese der Mannschaft mitteilen. Es kann z.B. sein, dass ein Spieler extrem gut ist, aber aus beruflichen Gründen kaum trainieren kann. Wenn der Trainer ihn trotzdem aufstellt, sollte er dies erklären und rechtfertigen.
Es gibt viele Trainer, die niemals einen Fehler zugeben. Das muss nicht problematisch sein, aber ein Zeichen von Souveränität ist es auch nicht. Kompliziert wird es, wenn ein Trainer einen Fehler nicht nur nicht zugibt, sondern ihn auch noch zur richtigen Entscheidung umdeutet. Wenn z.B. ein Einwechselspieler zwei spielentscheidende Eigentore macht und der Trainer hinterher behauptet, die Einwechslung war richtig und erfolgreich, wird ihm das wohl kaum jemand glauben.
Trainer sollten niemals etwas persönlich nehmen. Fußballer sind natürlich Menschen, aber ihre Handlungen auf dem Platz sollten nicht in den persönlichen Bereich ausgeweitet werden. Wenn ein Trainer seinen Spielern Charakterschwäche unterstellt, ist das nicht zweckdienlich. Ebenso wenig sind persönliche Demütigungen hilfreich, vor allem wenn sie vor der versammelten Mannschaft erfolgen. Ein Trainer, der sich auf diese Ebene begibt, verliert schnell den Rückhalt in der gesamten Mannschaft, auch wenn er nur einzelne Spieler schlecht behandelt.
Fairness ist im Sport das oberste Gebot. Danach muss sich auch ein Trainer richten. Auf Dauer kann ein Trainer nur dann auf seine Spieler zählen, wenn er sie fair behandelt. Damit ist nicht nur gemeint, dass die Aufstellung nachvollziehbar, weil leistungsgemäß ist. Vielmehr gibt es im Alltag der Beziehung zwischen Trainer und Mannschaft viele Details, bei denen ein Trainer gefragt ist. Es ist extrem hilfreich, wenn der Trainer seinen Spielern immer wieder erläutert, warum er eine bestimmte Entscheidung so und nicht anders getroffen hat. Blinder Gehorsam darf in der heutigen Zeit nicht erwartet werden.
Bei aller nötigen Selbstkritik sollte ein Trainer stets selbstbewusst auftreten. Wenn ein Trainer anfängt, sich und die Mannschaft in Frage zu stellen, entsteht eine negative Stimmung. Ein Trainer muss immer an den Erfolg glauben. Falls er das nicht kann, sollte er zurücktreten.
Schlagwörter:
Hierarchie,
Mannschaftsführung,
Mannschaftsgefüge,
Teambildung,
Trainertipps
13. April 2011
In einer Fußballmannschaft ist Disziplin die Voraussetzung für Erfolg. Viele Trainer arbeiten mit Strafenkatalogen, in denen jedes Vergehen mit einer Strafe geahndet wird. Im den oberen Amateurklassen und im Profibereich handelt es sich meist um Geldstrafen. In den unteren und mittleren Amateurklassen ist das aber ein Mittel, das nicht besonders gut geeignet ist. Die Spieler bekommen wenig oder gar kein Geld für ihre Dienste. Geldstrafen würden deswegen zu einer unangemessen Belastung werden.
Aber das heißt nicht, dass nicht trotzdem ein Strafenkatalog aufgestellt werden kann. Das folgende Beispiel zeigt, das Strafen wirksam und sinnvoll sein können, ohne dass der Geldbeutel angetastet wird. Manchmal sind mehrere Alternativen vorgeben, die z.T. auch kombiniert werden können.
Strafenkatalog
unnötige Rote Karte (z.B. wegen Tätlichkeit)
-Der Spieler muss nach dem nächsten Training die Schuhe aller Spieler reinigen.
-Der Spieler kümmert sich einen Monat lang alleine um das Trainingsmaterial (Bälle, etc.).
-Der Spieler trägt eine Woche lang beim Training ein spezielles Leibchen mit dem Schriftzug: „Ich war unbeherrscht und habe dem Team damit geschadet!“
unnötige Gelbe/Gelb-Rote Karte (z.B. wegen Meckern, Trikot ausziehen, etc.)
-Der Spieler kümmert sich eine Woche lang alleine um das Trainingsmaterial (Bälle, etc.).
-Der Spieler trägt eine Woche lang beim Training ein spezielles Leibchen mit dem Schriftzug: „Ich habe einen dummen Fehler gemacht und dem Team geschadet!“
unvollständige Ausrüstung (Schienbeinschoner vergessen, Schuhe vergessen, etc.)
-Beim nächsten Spiel kommt der Spieler früher und hilft dem Platzwart bei der Vorbereitung des Spielfelds.
Handy klingelt in der Kabine
-Der Spieler reinigt nach dem Spiel/Training die Kabine.
-Anstelle des Trainingsspiels absolviert der Spieler bei der nächsten Einheit ein Konditionstraining.
Handy klingelt während der Mannschaftssitzung
-Zu Beginn der nächsten Mannschaftsitzung muss der Spieler ein Lied singen oder ein Gedicht vortragen. Der Vortrag muss mindestens 30 Sekunden dauern.
unentschuldigtes Fehlen beim Training
-Beim nächsten Training kommt der Spieler eine Stunde früher und absolviert eine zusätzliche Einheit.
unentschuldigtes Fehlen beim Spiel
-öffentliche Entschuldigung vor der Mannschaft, 2 Spiele interne Sperre
-Zwei Wochen mit einem Leibchen mit der Aufschrift: „Ich habe das Team im Stich gelassen“ trainieren.
unentschuldigt zu spät zum Training
-pro Minute muss der Spieler vor der gesamten Mannschaft 5 Liegestütze/Kniebeugen/etc. machen
unentschuldigt zu spät zum Spiel
-pro Minute eine Platzrunde vor dem nächsten Training
-Der Spieler fliegt aus der Elf und nimmt auf der Bank Platz.
ungebührliches Verhalten gegenüber Mitspielern (persönliche Beleidigungen, etc.)
-Eine Entschuldigung vor der ganzen Mannschaft beim betroffenen Spieler. Dazu muss der Spieler eine Woche lang beim Training ein Leibchen mit dem Schriftzug: „Ich schäme mich für mein mieses Verhalten“ tragen.
Schlagwörter:
Disziplin,
Erziehungsmaßnahmen,
Geldstrafen,
Sanktionen,
Strafenkatalog
6. April 2011
Schiedsrichter sind im Fußball unverzichtbar. Dennoch bekommen Schiedsrichter bestenfalls den Respekt der Beteiligten, geliebt werden sie nie. Es bedarf also einer starken Persönlichkeit, um diese schwierige Aufgabe zu bewältigen. In den unteren Amateurklassen gibt es längst das Problem, dass sich kaum noch jemand findet, der jedes Wochenende als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz verbringen möchte.
Für Trainer sind die Schiedsrichter zunächst einmal ein Teil des Spiels, den sie nicht beeinflussen können. Das heißt natürlich nicht, dass sie es nicht trotzdem versuchen würden. Dabei ist nicht an Bestechung gedacht. Vielmehr versuchen manche Trainer den Schiedsrichter unter Druck zu setzen oder an sein Gerechtigkeitsgefühl zu appellieren. Es ist wohl kaum nötig zu erwähnen, dass dies in den seltensten Fällen Erfolg hat.
Die meisten Schiedsrichter reagieren nur auf positive Bestätigung positiv. Wenn der Trainer und die Spieler sich ruhig und respektvoll verhalten, führt dies oft zu einem wohlwollenden Verhalten in kritischen Situationen. Dahingegen mag es kein Schiedsrichter, von einem Trainer oder einem Spieler verbal attackiert zu werden. Wer sich den Unmut des Schiris auf diese Weise zuzieht, darf ich sich hinterher nicht beschweren, wenn der Schiedsrichter im Zweifel gegen das eigene Team entscheidet.
Ein guter Trainer weist seine Mannschaft an, den Schiedsrichter in Ruhe zu lassen. Negative Äußerungen und heftig vorgetragene Beschwerden bringen auf dem Platz nichts. Das Ergebnis ist bestenfalls eine Verwarnung oder sogar ein Platzverweis. Das schwächt das eigene Team und macht nur den Gegner stark.
Ein Schiedsrichter nimmt eine gefällte Entscheidung nicht zurück. Diese grundlegende Wahrheit gilt in den unteren Amateurklassen noch mehr als im Profibereich. Bei den Profis kann es z.B. passieren, dass der Linienrichter etwas gesehen hat, das zu einer Korrektur der Schiedsrichterentscheidung führt. In den unteren Amateurklassen gibt es oftmals nicht einmal Linienrichter. Sollte es aber Linienrichter geben, die eine andere Entscheidung anzeigen, kann ein Spieler den Schiedsrichter natürlich darauf hinweisen. Es nutzt aber überhaupt nichts, sich vor dem Linienrichter aufzubauen und lautstark eine andere Entscheidung einzufordern.
Ein Schiedsrichter pfeift eine Mannschaft meist mehrmals in einer Saison. Auch das sollte ein Trainer im Hinterkopf haben. Wenn ein Schiedsrichter durch feindselige Handlungen in einem früheren Spiel bereits bei der Anreise ein mulmiges Gefühl hat, fördert das kaum die Qualität seiner Spielleitung.
Der Umgang mit einer Fehlentscheidung stellt eine besondere Herausforderung für einen Trainer dar. Im Spiel ist es völlig sinnlos, mit einer Fehlentscheidung zu hadern. Der Trainer muss dafür sorgen, dass die Spieler möglichst schnell den Kopf wieder frei haben und zurück ins Spiel finden. Das geht natürlich nur, wenn auch der Trainer einen kühlen Kopf bewahrt. Nach dem verständlichen Ärger muss sofort die Konzentration auf die neue Situation folgen.
Auch wenn es verständlich ist, dass ein Trainer manchmal gerne dem Schiedsrichter die Schuld an einer Niederlage geben möchte: Damit hilft er niemandem. Die Punkte sind weg, das Spiel ist gespielt. Allenfalls gibt er der Mannschaft ein Alibi. Die Grundregel sollte deswegen lauten, dass der Trainer und die Spieler sich nur mit den Dingen beschäftigen, die sie beeinflussen können. Und dazu gehören die Entscheidungen des Schiedsrichters eben nicht dazu. Es ist zwar menschlich, sich über Fehlentscheidungen aufzuregen, aber dadurch ist noch keine Mannschaft besser geworden.
Leider sind viele Trainer im Profibereich schlechte Vorbilder. Einige hüpfen an der Linie auf und ab, beschimpfen die Linienrichter oder den vierten Offiziellen. Noch schlimmer ist es aber, wenn der Schiedsrichter nach dem Spiel öffentlichkeitswirksam attackiert wird.
Diese Profitrainer sollten vielleicht einmal darüber nachdenken, dass sie eine Vorbildfunktion haben für Trainer, die in unteren Klassen agieren. Spieler und Trainer machen regelmäßig Fehler. Warum sollte also gerade ein Schiedsrichter, der vielleicht den schwersten Job im Fußball hat, keine Fehler machen dürfen?
Schlagwörter:
Druck,
Fußball,
Respekt,
Schiedsrichter
30. März 2011
Wenn eine Mannschaft viele Spiele gewinnt, dann wird ihr meist eine tolle Taktik beschieden. Bei Niederlagenserien wird hingegen schnell der Einsatzwille in Frage gestellt. Das ist in der Bundesliga nicht anders als in einem unterklassigen Verein. Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht.
Die Grenzen der Taktik
Der Begriff Taktik kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Er kann sich auf das Verhalten eines einzigen Spielers oder auf das Verhalten der ganzen Mannschaft beziehen. Die Umsetzung einer Taktik ist abhängig von vielen Faktoren. Dazu gehört sicher auch die innere Bereitschaft der Beteiligten, also der Wille. Doch auch Disziplin und Teamgeist sind wichtig. Entscheidend ist aber, dass im Training die Taktik einstudiert worden ist. Erst wenn Automatismen vorhanden sind, funktioniert eine Taktik auch bei widrigen Bedingungen.
Nicht unterschätzt werden darf auch der Einfluss des Gegners. Ein Kreisliga-Team, das gegen einen Bundesligisten antritt, wird mit einer Offensivtaktik scheitern. Der Trainer muss eine Taktik wählen, die umsetzbar ist. Andernfalls hilft auch die größte Einsatzbereitschaft nicht weiter.
Die Grenzen des Willens
Die spielerische und athletische Qualität eines Kaders kann durch eine Willensleistung ausgereizt, aber nicht überschritten werden. Die Aufgabe des Trainers ist es, die Spieler und das gesamte Team an seine Leistungsgrenzen zu bringen. Die Aktivierung des Willens ist vor allem eine psychologische Aufgabe, aber auch der körperliche Aspekt darf nicht übersehen werden. Nur ein fitter Spieler kann sein eigenes Limit erreichen.
Es gibt Trainer, die glauben, dass sie Spiele alleine durch Willenskraft gewinnen können. Sicher kann kurzfristig die eine oder Schwäche auf diese Weise überwunden werden. Langfristig reicht es aber nicht aus, nur an den Willen zu appellieren. Große Mannschaften zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie mit gedrosseltem Einsatzwillen ein Spiel durch Taktik und Disziplin gewinnen können.
Wenn ein Spieler will, aber nicht kann
Die Psyche eines Menschen ist komplex. Es zeigt sich häufig, dass der reine Wille nicht ausreicht, um eine gute Leistung zu bringen. Gerade in negativen Phasen passiert es, dass Spieler blockieren und viel schlechter spielen als üblich. Dann liegt es am Trainer, dieses Problem zu lösen. Meist ist zusätzlicher Druck nicht hilfreich, denn zu großer Druck ist oft der Grund, warum ein Spieler keine Leistung bringt. Es gibt aber auch Spieler, die nur dann Leistung bringen, wenn sie massiven Druck spüren.
Viele Trainer stellen in schlechten Phasen den Charakter einzelner Spieler in Frage. Das ist ein gefährliches Spiel, durch welches das Team auseinanderbrechen kann. Wenn erst einmal Sündenböcke ausgemacht werden, ist das oft der Anfang vom Ende. Ein Trainer sollte immer nach dem Grundsatz handeln, dass alle Spieler Teil des Teams sind und Respekt verdienen. Wenn ein Spieler tatsächlich nicht mehr in das Kollektiv passt, sollte er entlassen werden. Interne Spielereien sind hingegen kontraproduktiv.
Tolle Taktik und trotzdem kein Erfolg
Eine Taktik, die am Reißbrett wunderbar funktioniert, muss auf dem Spielfeld umgesetzt werden. Dazu ist die Bereitschaft der Spieler erforderlich. Der Trainer muss als Anführer des Teams mitreißen und überzeugen können. Wenn eine Mannschaft ein taktisches Konzept ablehnt, ist es kaum möglich, damit erfolgreich zu sein.
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23. März 2011
Ein Fußballplatz muss nach den FIFA-Regeln eine Breite zwischen 45 und 90 Metern und eine Länge von 90 bis 120 Metern haben. Das führt in der Praxis dazu, dass Fußballplätze sehr unterschiedliche Dimensionen haben. Zwar sind Extreme selten, aber es gibt durchaus Plätze, die nur 90 Meter lang oder gerade einmal 60 Meter breit sind. Ein Trainer kann die Größe des Platzes in seine Taktik einbeziehen und damit seinem Team einen Vorteil geben.
Es gibt Vereine, die Plätze in unterschiedlichen Größen zur Verfügung haben. Dieser Umstand kann sollte genutzt werden. Im Folgenden finden Sie einige grundsätzliche Überlegungen:
Breiter und langer Platz
Ein großer Platz kommt Mannschaften zugute, die eine hohe Spielkultur haben. Ein schnelles Passspiel zwingt den Gegner zu einem hohen Laufpensum. Die Spieler sollten die ganze Breite des Platzes nutzen. Der Abwehr kommt eine wichtige Bedeutung im Offensivspiel zu, da sie das eigentliche Spielfeld durch schnelles Aufrücken klein halten muss. Ansonsten kann der Gegner bei einer Balleroberung den Raum für einen Gegenangriff nutzen.
Unterlegene Mannschaften haben es auf einem großen Platz besonders schwer. Sie müssen versuchen, die Laufarbeit gering zu halten. Das geht nur, indem der Gegner spät angegriffen wird. Das ist aber gefährlich, da es eigentlich bei der Abwehrarbeit darum geht, den Gegner weit weg vom Tor zu halten. Deswegen ist es wichtig, immer wieder Konter zu setzen und den eigenen Erfolg zu suchen.
Breiter und kurzer Platz
Auf einem solchen Platz ist das Spiel über die Außenposition der beste Weg zum Erfolg. Kopfballstarke Stürmer und Mittelfeldspieler sollten bei jeder Flanke den Weg in den Strafraum suchen.
Ein unterlegenes Team muss sich geschickt verschieben, um die gerade bespielte Seite abzudecken. Je weniger Flanken zugelassen werden, desto größer ist die Chance auf ein gutes Ergebnis. Der Weg zum gegnerischen Tor ist nicht weit, so dass ein schneller Konter mit wenigen Stationen Erfolg bringen kann.
Schmaler und langer Platz
Eine geringe Breite begünstigt ein verteidigendes Team, das sich in die eigene Hälfte zurückzieht. Der Weg zum gegnerischen Tor ist weit, so dass Konter schwierig sind. Deswegen ist es sinnvoller, einen konsequenten Spielaufbau zu forcieren. Das Spiel über die Außenpositionen ist zwar nicht optimal, aber es ist notwendig, um die ganze Breite zu nutzen. In der Mitte gibt es in der Regel wenige Lücken. Durch schnelles Umschalten kann die Länge des Platzes besonders gut genutzt werden.
Schmaler und kurzer Platz
Ein solches Spielfeld begünstigt technisch starke Akteure. Schnelle Spieler können ihre Stärken kaum ausspielen, da der Raum sehr eng ist. Gegen einen starken Gegner ist ein kleiner Platz ein großer Vorteil, da die Wege sehr kurz sind. Wenn sich das Team zwischen Strafraum und Mittellinie aufbaut, hat auch eine deutlich stärkere Mannschaft große Probleme, einen sinnvollen Spielaufbau zu vollziehen. Auf der anderen Seite ist der Weg zum gegnerischen Tor nicht weit. Ein Stürmer, der stets auf Höhe des letzten Mannes lauert, kann durch einen einzigen Pass zu einer hervorragenden Chance kommen.
Gegen einen schwächeren Gegner ist konsequentes Forechecking ein probates Mittel. Dadurch kann der Ball in günstiger Position erobert werden. Die Angreifer können zudem die kurzfristige Unordnung bei einem erzwungenen Ballverlust ausnutzen. Oft ist in solchen Spielen Geduld gefragt, denn die Rahmenbedingungen kommen dem Gegner zugute.
Eine Idee für Mutige:
Es gibt keinen Grund, einen Platz ganz auszunutzen. Durch die Markierungslinien ist es möglich, das Spielfeld schmaler zu machen. Wenn bewegliche Tore vorhanden sind, ist auch eine Verkürzung problemlos möglich. Auf diese Weise wird die Platzgröße zu einem wertvollen taktischen Mittel.
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